Als 1989 der Verband Filmregie Österreich gegründet wurde, stand die heimische Filmwelt gerade am Beginn eines rasanten Aufstiegs: Michael Haneke hatte damals mit "Der siebente Kontinent" gerade seinen ersten Kinofilm gedreht und wurde prompt zu den Filmfestspielen nach Cannes eingeladen.

Im Vorstand des Filmregie-Verbandes: Veronika Franz, Elisabeth Scharang, Stephan Richter und Tereza Kotyk (v.l.). - © Verband Filmregie
Im Vorstand des Filmregie-Verbandes: Veronika Franz, Elisabeth Scharang, Stephan Richter und Tereza Kotyk (v.l.). - © Verband Filmregie

Seither sind 30 Jahre vergangen, die aus Sicht der Filmkünstler große Erfolge für den österreichischen Film brachten: Von Preisen in Berlin, Venedig und Cannes, bis hin zu mehreren Oscar-Nominierungen und -Gewinnen reicht das Spektrum. Bei der 30-Jahr-Feier des Filmverbandes vergangene Woche ließ man diese Erfolgsgeschichte Revue passieren, nicht jedoch, ohne auch neue und dringliche Positionen zu formulieren, die aufzeigen, wohin es künftig mit Österreichs Filmschaffen gehen soll.

Die Zahlen zum Erfolg

"Der österreichische Film ist nach dem Neujahrskonzert der größte Exportschlager im Kulturbereich", sagt Filmemacherin Elisabeth Scharang ("Jack"), die im Vorstand des Filmregie-Verbandes sitzt. Um diese Behauptung zu erhärten, lässt man derzeit eine groß angelegte Studie ausarbeiten, die die Besucherzahlen österreichischer Filme bei internationalen Festivals erheben soll. "Heute braucht man für alles harte Zahlen", erläutert Scharang, "auch, wenn sich damit bestenfalls ein Teilaspekt des Erfolgs eines Films messen lässt." Denn Zuschauerzahlen sind nicht alles, auch die künstlerische Anerkennung zählt zum Kapitel Erfolg.

Der Filmverband steht ziemlich geschlossen hinter dieser These, doch das war nicht immer so: Die Palmen und der Oscar für Michael Haneke, die vielen Preise für Ulrich Seidl, Barbara Alberts kometenhafter Aufstieg mit "Nordrand" (1999), Götz Spielmanns Oscarnominierung für "Revanche" (2008) oder Stefan Ruzowitzkys Oscargewinn für "Die Fälscher" (2007) - sie alle wurden auch deshalb erfolgreich, weil dahinter ausgeprägte Künstlerpersönlichkeiten stecken, die allesamt auch als Einzelkämpfer unterwegs waren; eine geeinte Branche als solidarisches Team gab es seinerzeit kaum. "Das hat sich aber geändert", weiß Scharang. "Inzwischen sind alle solidarischer zueinander, denn ein reines Einzelkämpfertum geht sich unter heutigen Produktionsbedingungen nicht mehr aus." Dazu beigetragen hat auch der Verband Filmregie, in dem so gegensätzliche Regisseure wie Haneke und Harald Sicheritz Mitglied sind. "Das muss man erst einmal unter einen Hut kriegen", sagt Scharang.