Wien. Das Wiener Bellaria-Kino sperrt nach 107 Jahren zu, letzter Spieltag ist der 17. Dezember. Betreiber Erich Hemmelmayer, der den 1912 eröffneten Betrieb vor zehn Jahren von seinem Vater übernommen hat, begründete den Schritt auf Anfrage der "Wiener Zeitung" so: "Es sterben mir die Kunden weg." Der Dokumentarfilm "Bellaria - So lange wir leben!" (2001) von Douglas Wolfsperger, der das Traditionskino feierte und zeigte, dass es immer noch floriert, würde die heutige Situation nicht mehr widerspiegeln. "Es kommen keine jungen Besucher mehr nach, wirtschaftliche Gründe zwingen mich zur Schließung. Früher waren selbst die Nachmittagsvorstellungen voll, heute sind es vielleicht sechs, acht Leute, die kommen", so Hemmelmayer. Steigende Raum- und Filmmieten seien der Grund, weshalb er sein "hobbymäßig" betriebenes Geschäft schließe. "Für mich ist das erledigt." An eine Hilfestellung durch die Stadt Wien hat er nicht gedacht: "Dort werden nur Sachen gefördert, wo man sich an den Kopf greift", so Hemmelmayer.

Tatsächlich wurde die Stadt Wien vom bevorstehenden Aus des Bellaria-Kinos völlig überrascht, wie Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler am Donnerstag auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" bestätigt. Der Betreiber habe das Gespräch mit der Stadt nicht gesucht, hieß es. Das Bellaria-Kino erhalte wie alle Arthaus-Kinos eine Sockelförderung von 12.000 Euro im Jahr, die 2020 auf 14.000 angehoben wird. Für besondere Filmreihen würden zudem zusätzliche Pauschalbudgets von 10.000 Euro pro Kino bereitstehen. Kaup-Hasler, die die Arthaus-Kinos als wichtige kulturelle Orte der Begegnung sieht und das Budget im Filmbereich gerade um 1,1 Millionen Euro erhöht hat, will nun das Gespräch mit Hemmelmayer suchen.