Ich habe mit hunderten Schauspielerinnen gearbeitet, und keine hat sich je über mich beklagt." Woody Allen ist sich seiner Sache sicher. Immerhin hat der inzwischen 84-jährige Regisseur für jeden seiner inzwischen 50 Filme stets große Frauenrollen geschrieben, und nach eigenen Angaben waren auch die Gagen für die Damen immer gleich hoch wie jene der männlichen Kollegen. "Ich habe eigentlich schon immer all das getan, wofür die MeToo-Bewegung heute kämpft", erzählte er in einem Interview.

Dass man Allen dennoch nicht als den großen Zampano der MeToo-Bewegung wahrnimmt, hat mit seiner Vergangenheit zu tun. Zwar warf man ihm arbeitsethisch und genderspezifisch keine Verfehlungen vor, aber die Gerüchte um einen angeblichen sexuellen Missbrauch seiner Adoptivtochter Dylan Farrow im Jahr 1992 halten sich hartnäckig, obwohl Allen bereits zwei Mal vom Gericht für unschuldig befunden wurde. Fraglich, ob hier die heutzutage speziell durch Soziale Medien so rasant gestiegene Vorverurteilung von Menschen dafür verantwortlich ist oder ob an den Vorwürfen tatsächlich etwas dran ist - Allen beteuerte stets seine Unschuld und musste zumindest bereits berufliche Konsequenzen tragen: Sein vier Filme schwerer Finanzierungsdeal mit Amazon Studios wurde nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe für nichtig erklärt, da war der erste Film des Deals bereits in Arbeit: "A Rainy Day in New York" mit Timothée Chalamet und Elle Fanning wanderte sofort ins Amazon-Archiv, denn der Konzern wollte keinesfalls mit MeToo-belasteten Regisseuren zusammenarbeiten. In den USA soll der Film gar nicht herauskommen, für Europa konnten die Verleiher jedoch einen Deal mit Amazon aushandeln, sodass "A Rainy Day in New York" nun auch in Österreich in den Kinos angelaufen ist.

Schauspieler auf Distanz

Allen antwortete auf den geplatzten Amazon-Deal mit einer 68 Millionen Dollar schweren Klage, die inzwischen außergerichtlich beigelegt wurde, wie US-Medien berichten. Während die Stars von "A Rainy Day in New York", Timothée Chalamet und Selina Gomez, aber auch Greta Gerwig und Rebecca Hall sofort auf Distanz zu Allen gingen (Chalamet spendete seine Gage der MeToo-Bewegung) und festhielten, dass sie nie wieder mit Allen arbeiten wollen, verteidigten andere den Regisseur: Javier Bardem oder Anjelica Huston sprachen ihm das Vertrauen aus, die größte Sympathiebekundung kam von Allens "Muse" Scarlett Johansson, mit der er unter anderem "Match Point" drehte. "Ich liebe Woody, glaube an seine Unschuld und würde jederzeit wieder mit ihm arbeiten", sagte Johansson dem "Hollywood Reporter". "Ich treffe Woody oft und wir sprechen sehr offen und direkt über das Thema. Er beschwört seine Unschuld und ich glaube ihm."