Auf einer abgelegenen Insel in der Bretagne, es ist das Ende des 18. Jahrhunderts: Die Pariser Malerin Marianne (Noémie Marchant) erhält von einer verwitweten Gräfin (Valeria Golino) den Auftrag, für deren Tochter ein Hochzeitsporträt anzufertigen, das der jungen Frau quasi als Visitenkarte bei der Partnerwahl dienen soll. Doch die Tochter, die einstige Klosterschülerin Héloïse (Adèle Haenel), ist mit ihrer Mutter auf Kriegsfuß und denkt nicht daran, für eine arrangierte Ehe Modell zu stehen - ohne Bild jedoch will der künftige Gatte, ein unbekannter Mann aus Mailand, die Ehe nicht schließen. Marianne muss Héloïse also während langer Spaziergänge am Meer ganz genau beobachten, um ihr Porträt später aus dem Gedächtnis auf die Leinwand zu malen. Doch mit dem Fortgang der Ereignisse und nach all den langen Spaziergängen passiert etwas im Seelen- und Liebesleben der beiden Frauen, die sich immer näher kommen.

Adèle Haenel als rebellische Heiratsunwillige. - © Filmladen
Adèle Haenel als rebellische Heiratsunwillige. - © Filmladen

Bildschön komponiert Regisseurin Céline Sciamma ihre lesbische Romanze zu einem historischen Kostümdrama, das durch seine große Sinnlichkeit besticht. Sciamma, die mit dem Film die diesjährige Viennale eröffnete und im Mai in Cannes den Preis für das beste Drehbuch erhielt, taucht tief ein in die weibliche Seele, macht anschaulich, wie Alltag und Alltägliches für Frauen vor 250 Jahren gewesen sein muss, und zudem ist der Film ein reiches Kaleidoskop weiblichen Begehrens, das Sciamma in seiner ganzen Vielschichtigkeit einzufangen versucht. Dabei gelingt ihr auch ein weiblicher, weit weniger effekthascherischer Blick auf die Sexualität von Frauen; die Erotik des Films braucht keine zur Schau gestellten Körper, um Begierde zu illustrieren.

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