Wer Videospiele spielt, kennt das Gefühl, sich wie im Rausch durch fremde Welten zu kämpfen; das Adventure-Game "Jumanji" aber - oder besser: die alte Spielekonsole aus den 90ern, in dem es steckt - saugt die Spieler direkt hinein ins Spiel, wo sie waghalsige Manöver und sogar todbringende Abenteuer erwarten. Einmal unter einem Hinkelstein begraben, und schon hat man das Zeitliche gesegnet. Aber macht nix, man hat ja noch zwei Leben.

Schon zwei Mal hat die Idee vom Abenteuer im Computerspiel "Jumanji" wunderbar an der Kinokasse funktioniert: zuerst 1995, mit Robin Williams in der Hauptrolle, dann 2017 als Neuauflage mit Dwayne Johnson. Dieses Remake war mit 960 Millionen Dollar Einspiel so erfolgreich, dass ihm natürlich ein Sequel folgen musste, das nun auf "Jumanji 2: The Next Level" hört. Ein Titel, der passend zur Computerspiele-Welt entstand, wo man sich Level für Level zum Ziel arbeitet.

Lupenreine Tricktechnik

Wie schon zuletzt sitzt wieder Jake Kasdan, Sohn von Regisseur Lawrence Kasdan, auf dem Regiestuhl, und er darf dem Titel entsprechend sein ganzes Talent zeigen, wenn es um Spektakelkino geht: Der Film ist vor allem wegen seiner rasanten Sequenzen voller Action sehenswert. Da werden die Spieler von Riesenanacondas geschluckt, müssen in rostigen Wüsten-Buggies vor einem wahnsinnig gewordenen Riesen-Rudel von Sträußen flüchten oder sich in einer optisch atemberaubenden Sequenz auf morschen Hängebrücken vor angriffslustigen Affen retten. All das ist lupenreine Tricktechnik auf dem neuesten Stand, daran gibt es nichts auszusetzen; der Schauwert stimmt also, und "Jumanji 2: The Next Level" ist, was die Amerikaner "a hell of a ride" nennen - ein Wahnsinnsritt.

Der junge Spencer (Alex Wolff) verschwindet spurlos, da ist Martha (Morgan Turner) schnell klar: Er ist wieder im Spiel "Jumanji" gelandet. Zusammen mit dem Footballspieler Anthony "Fridge" Johnson (Ser’Darius Blain) will sie ihn retten und selbst in das Spiel eintauchen. Dummerweise landen auch Spencers Großvater Eddie (Danny DeVito) und dessen Kumpel Milo (Danny Glover) in "Jumanji". Während Martha im Körper von Bad-Ass-Kämpferin Ruby Roundhouse (Karen Gillan) steckt, landen die Senioren als Abenteurer Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson) sowie Zoologe und Waffenspezialist Moose Finbar (Kevin Hart) sprichwörtlich im falschen Körper. Und auch Fridge ist nicht da, wo er hingehört, sondern steckt im korpulenten Leib des Kartografen Oberon (Jack Black).

Eindimensionale Klischees

Die Figuren sind im Grunde allesamt eindimensionale Klischees, für Adventuregames braucht es auch nicht unbedingt Tiefgang. Die zweifellos adrette Karen Gillan wird als Lara-Croft-Verschnitt immer so ins Bild gerückt, dass man ihr zwangsweise auf den freiliegenden Bauchnabel starrt, der wie ein Epizentrum inmitten ihrer Reize liegt: langes Haar, Brust, Hüfte, lange Beine. Das war viele Jahre das Erfolgsrezept von Videospielen, in denen Frauen das Sagen hatten. Nur, dass Gillans Figur hier eher dem Aufputz dient und den Spielmacher lieber den Männern im Bunde überlässt. Von diesen spielt Dwayne Johnson eine mindestens ebenso klischeeüberladene Figur wie Gillan: ein Muskelprotz mit gefährlichem Sexy-Blick. Allerdings ist durch den Rollentausch erfrischend, dass Johnson zunächst die Eigenschaften des grantelnden, alten Opa von Spencer spielen muss, da dieser ja in seinem Avatar steckt. Opas Hüftleiden im realen Leben ist zu seiner Freude wie weggeblasen; Kevin Hart wiederum imitiert das Gehabe von Danny Glover, und beide schaffen es, diese Imitate eine ganze Zeit hinweg frisch und straff zu halten. Das variiert die allzu klischeehafte Rollenverteilung ein wenig und spendiert dem Actionfilm eine Portion Selbstironie. Das hat diesem Genre noch nie geschadet und ist im vorliegenden Fall eindeutig der Trumpf des Films.