Das große Finale: Mit "Star Wars IX: Der Aufstieg Skywalkers" geht die Filmsaga, die George Lucas 1977 gestartet hat, vorläufig zu Ende. Und es ist wie immer im "Star Wars"-Universum: Es hadern darin allerlei Figuren mit der Versuchung, auf die dunkle Seite der Macht zu wechseln. Das wird - nach neun Filmen - auch irgendwann langweilig. Zwar gibt der Film den Fans einige neue Twists mit auf den Weg, und man erfährt beispielsweise, wer der Großvater von Rey (Daisy Ridley) war, aber die Idee von Gut gegen Böse neun Mal in mehr oder weniger immer der gleichen Weise auszupressen, geht einem bald auf den Geist.

Und weil man bei einem "Star Wars"-Film die inhaltlichen Details stets aussparen muss, weil viele Fans allergisch auf das Spoilern reagieren, bleibt genug Raum, zu erörtern, wieso sich das Konzept des Sternenkrieges überlebt hat, vor allem, seit Disney das Ruder übernommen hat.

Eine völlig überladene Achterbahnfahrt

Regisseur J. J. Abrams, wahrlich ein Spektakelmeister, hat die Weltraumkriegsschauplätze mit verlässlicher Routine als 140-minütige Achterbahnfahrt konzipiert, bei der alles kracht und explodiert und die Laserwaffen glühen. Diese völlig überladenen, dafür perfekt animierten Actionsequenzen werden im Wesentlichen nur dann unterbrochen, wenn man dem Zuschauer wichtige Plot-Inhalte in Dialogform verabreichen muss. Diese Momente kurzen Innehaltens der wahnwitzig rotierenden Actionschleuder sind dann dermaßen überinszeniert, dass es einen schaudert: Wenn Rey, Kylo Ren (Adam Driver), Poe Dameron (Oscar Isaac) oder Finn (John Boyega) ihre kurzen, aber gewichtigen Sätze absondern, hat man schauspielerisch eher das Gefühl, im Schülertheater zu sitzen als in einer Multimillionen-Dollar-Produktion.

Das eigentliche Ärgernis ist allerdings der Modus, in dem Episode IX (und auch jene davor) inszeniert ist: Man hat sich, wohl um die Fans der ersten Stunde nicht zu vergraulen, eng an die Dramaturgie gehalten, mit der 1977 der erste "Star Wars"-Film gedreht wurde: Das Eingangs-Logo mit der in den Tiefen des Alls verschwindenden Schrift in schlimmster 70er-Optik kann man zwar als Kult durchgehen lassen, macht den Film aber schon von Beginn an altmodisch. Die lückenhafte, hanebüchene Figurenzeichnung und die zahllosen unplausiblen Zusammenhänge in der Story haben mit einem zeitgemäßen Erzählrhythmus allerdings nichts zu tun. Es ist, als hätte Disney absichtlich versucht, in den drei Episoden VII bis IX die erste Trilogie möglichst zu kopieren. Innovation sieht anders aus, ärgerlich ist, dass es hier so gar keine Veränderung gibt, gar keinen leisen Anflug, ausgetretene Pfade zu verlassen.

Was von der Handlung gefahrlos gesagt werden kann, ohne zu spoilern, ist, dass Rey als Letzte der Jedi versuchen muss, zusammen mit ihrer Entourage gegen das "First Order"-Imperium anzutreten, das sich durch die Rückkehr des grässlichen Imperators Palpatine (Ian McDiarmid) eine faschistische Frischzellenkur verabreicht und in bester Nazi-Ästhetik den eigenen Namen in "Final Order" abändert. Es geht auf zum letzten Gefecht, bei dem Kylo Ren versucht, Rey endgültig auf die dunkle Seite zu ziehen, obwohl er selbst Zweifel hat.

Ein bisschen Würze in der sonst recht uninspirierten Geschichte geben kurze Gastauftritte - Achtung Spoiler! - der einstigen "Star Wars"-Größen: Ein Auftritt der verstorbenen Carrie Fisher konnte dank unverwendeten Materials des letzten Films realisiert werden, Billy Dee Williams kehrt als Lando Calrissian zurück, und sowohl "Han Solo" Harrison Ford als auch "Luke Skywalker" Mark Hamill treten wieder in Erscheinung. Auch die De-Aging-Technik kommt in einer Szene zum Einsatz und macht Luke und Leia wieder so jung wie 1977.

"Fan Service" für das Publikum

Genug gespoilert. J. J. Abrams geht in der Umsetzung seines Finales mit viel Akribie daran, den Erwartungen der Fans gerecht zu werden, jedoch erweist sich das für die Saga als wenig hilfreich. Bei jeder Enthüllung und bei jedem Kurzauftritt hat man das Gefühl, Abrams würde eine Liste mit Punkten abarbeiten und abhaken, damit nur ja nichts vergessen wird. Der Film ist, was die Amerikaner als "Fan Service" bezeichnen - man gibt dem Publikum, was es will. Dabei vergisst man aber: Wer sich nie traut, diese Linie zu überschreiten, der generiert vielleicht ein tolles Einspielergebnis. Aber keine Basis für weitere drei Filme, wie Disney sie bereits plant. Schade, dass sich die Macher niemals die Frage gestellt haben, wie oft George Lucas 1977 diese Linie übertreten hat, um daraus ein neues Genre zu formen. So schön war das damals. Vielleicht sollte man Lucas bei einer neuen Trilogie vom Rentnerbankerl zurückholen.