Er ist einer der ganz großen Schauspieler des Landes, hat auf der Bühne und im Film eine Weltkarriere hingelegt wie kaum ein Zweiter. Ab 15. Jänner widmet das Wiener Metrokino Brandauer eine Retrospektive. Grund genug, mit KMB Rückschau auf das eigene Werk zu halten.

"Wiener Zeitung": Herr Brandauer, Ihr filmischer Schlüsselmoment war 1981 die Mitwirkung in Istvan Szabos "Mephisto". Welche Erinnerungen haben Sie daran?

K. M. Brandauer: Ich war von Anfang an mehr auf das Theater vorbereitet, das ist das, was ich immer wollte. Das Theater füllte mich damals so aus, dass ich gar nicht daran dachte, Filme zu drehen. Als Szabo mich anrief, um mir "Mephisto" anzubieten, wusste ich sofort, dass ich das machen wollte. "Mephisto" war zunächst als Fernsehproduktion geplant. Die Dreharbeiten waren toll, denn das Team war perfekt und Szabo war ein unglaublicher Regisseur und ein großartiger Mensch. Ein Moralist noch dazu, das ist sehr positiv gewesen. "Mephisto" war ein Schatz, ein fantastisches Fressen für einen Schauspieler. Ich spiele einen Schauspieler, der alles zeigen darf, was in ihm steckt.

Klaus Maria Brandauer: "Man muss dafür kämpfen, die Demokratie zu retten." - © Katharina Sartena
Klaus Maria Brandauer: "Man muss dafür kämpfen, die Demokratie zu retten." - © Katharina Sartena

Der vorläufige Höhepunkt in einer Karriere, die früh begann . . .

Ich konnte mir nie etwas anderes vorstellen, als Schauspieler zu werden, seit ich meinen Struwwelpeter in der Volksschule in Grenzach bei Basel gemacht habe. Ich erinnere mich, dass ich meiner Mutti in meinem Übermut mit ungefähr zehn Jahren verkündete: "Mutti, ich werde einmal in Amerika auf großen Filmplakaten zu sehen sein." "Ja", hat die Mutti gesagt. Und mein Vater meinte: "Zuerst lernst du einmal etwas."

Hatten Sie Ihre Eltern stets gefördert, wenn es Ihren Beruf anging?

Meine Mutter ja. Mein Vater hingegen meinte, dass es keine gemähte Wiese ist, künstlerisch tätig zu sein. Aus Sorge hat er mich gebremst. Als ich Schauspielen studieren wollte, ließ er mich gewähren, aber nur unter der Bedingung, dass ich in seiner Nähe blieb, damit ich am Wochenende zuhause sein konnte. "Und dann werde ich jedes Mal versuchen, es Dir auszureden", sagte mein Vater. Er hätte mich gern Jus studieren sehen. Als mein Vater viele Jahre später gestorben ist, habe ich in seinem Schreibtisch große Stapel von Zeitungsausschnitten und Kritiken gefunden, die über mich erschienen sind. Er hat sich wohl gefreut. Aber ich verstehe seine Sorge. Wenn meine Eltern heute noch leben würden, würden sie sich gerade in diesem Moment sorgen und denken: Hoffentlich macht er ein g’scheites Interview.