Ihre Filmkarriere führte Sie bis nach Hollywood, wo Sie den einzigen inoffiziellen James-Bond-Film "Sag niemals nie" (1983) drehten und wo Sie einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung für "Jenseits von Afrika" (1987) erhielten. Wie fühlte sich das an?

Es ist immer eine sehr ernsthafte Arbeit, die dahintersteckt. Ein guter Film ist hier gut und in Hollywood auch. Ein schlechter ebenso. Man kann einen fantastischen Film machen um wenig Geld und man kann einen sehr schlechten Film machen um Millionen. Bei "Jenseits von Afrika" wurden keine Kosten gescheut, das war ein opulenter Dreh! Den James-Bond-Film wollte ich zunächst gar nicht machen, weil mich das Angebot geärgert hat: Was sollte ich mit so einer Operette, ich hatte mit "Mephisto" doch einen tollen Film mitgebracht, und dann das? Heute bin ich froh, den Film gemacht zu haben. Vor allem auch, weil diese Filme auch Teile des Kalten Krieges waren, wo man den Leuten zeigte, wer der Feind war. Und wer durfte die Feinde spielen? Wir Europäer natürlich. (lacht)

Sie haben zwei Mal selbst Regie geführt: Bei "Georg Elser - Einer aus Deutschland" (1989) und "Mario und der Zauberer" (1994).

John Frankenheimer sollte den Elser-Film inszenieren, mit mir in der Hauptrolle. Doch dann zerstritt sich der Produzent mit Frankenheimer und ich bekam den Regiesessel angeboten. Meine Frau Karin, die damals wunderbare Filme gedreht hatte, habe ich mir zum Vorbild genommen und versucht, von ihr so viel wie möglich über das Regiefach zu lernen.

Sie haben jahrelang den Jedermann in Salzburg gespielt. Mit Ihnen hat der Kult um diese Rolle eigentlich so richtig begonnen. Wer den Jedermann gespielt hat, war in dem Moment der allerwichtigste Schauspieler.

Das war nicht von Beginn an so, obwohl Alexander Moissi, der mit der Rolle begonnen hatte, das schon auch zelebriert hatte. Es wurde schnell zu einer Rolle, die wie eine Auszeichnung für die gemachte Karriere wirkte. Ich habe den Jedermann sehr gerne gespielt, und mein Ehrgeiz war, auf dem Domplatz so ruhig zu sprechen wie wir zwei jetzt. Ich habe sieben Jahre den Jedermann gespielt. Sieben ist eine heilige Zahl, das hat gereicht.

Ist es eigentlich ein Unterschied, wenn man als Schauspieler die Kollegen anleitet, als wenn das ein Regisseur macht, der keine Erfahrung hat mit dem Spielen?

Am Theater habe ich eigentlich von Beginn an Regie geführt. Ich bin ein Stückespieler. Ich lese ein Stück, und wenn ich mir eine Figur vorstelle, dann bin ich mit dieser Imagination ohnehin schon ein Regisseur, der die Figur formt. Ich war also eine Art "Mit-Regisseur". Das kam bei einigen Regisseuren nicht gut an, weil sie meinten, ich würde ihnen ins Handwerk pfuschen. Was den Film anbelangt, wusste ich: Ich werde nie angeben, dass ich total studiert bin. Stattdessen habe ich versucht, an allen wichtigen Positionen Leute zu haben, die das technisch und künstlerisch umsetzen konnten. Man kann Theater und Film nicht in einen Topf werfen. Die Bühne ist ein mythisch-mystischer Raum, in dem man als Schauspieler wie als Zuschauer lebendig anwesend ist. Und diese Reise - bei allen genauen Vorbereitungen - ist immer wieder neu, und kein Abend ist wie der andere. Das ist das Aufregende. Das habe ich auch versucht, auf den Film zu übertragen, unter Szabos Anleitung. Er sagte: Die meisten Takes, die im Film gelandet sind, waren Uraufführungen. Oft hatte er bereits den ersten Take verwendet, weil man darin halt am meisten lebt, was man spielt. Etwas vier, fünf Mal zu machen, muss auch sein, aber ich bin an der permanenten Uraufführung in einem Film sehr interessiert. Wenn alles zueinander stimmt.