So viel wie am vergangenen Donnerstag war im Foyer des Bellaria Kinos am Nachmittag wohl schon länger nicht mehr los. Kameras und Notizblöcke tummeln sich zwischen einer Handvoll Stammgästen und dem einen oder anderen, der doch noch wenigstens einmal hereinschauen wollte. Sogar Schauspielerin Waltraut Haas hat sich angekündigt, um das Kino feierlich zu übergeben. Das verlautbart ein handgeschriebener Zettel, der an die Innenseite der Glastür geklebt ist. An wen, ist noch nicht sicher. Vorläufig ist es jedenfalls der letzte reguläre Spieltag des 1911 als Invalidendankkino gegründeten Lichtspielhauses, weil es sich nicht mehr rentiert, wie Betreiber Erich Hemmelmayer vor wenigen Wochen bekanntgab. Nur am 24. Dezember gibt es mit "Heidi" um 11 Uhr und "Hallo Dienstmann" um 13 Uhr noch die allerletzten Weihnachtsvorstellungen.

Die Vorführungen des Bellaria Kinos um kurz vor 16 Uhr sind aus zweierlei Gründen Kult, es selbst eine regelrechte Institution - das Wort wird an diesem Nachmittag noch öfter fallen. Zum einen, weil hier jeden Nachmittag alte Filme aus den 1930ern bis 1960ern gezeigt wurden, zum anderen, weil diese wie wohl kaum ein anderes Kino festes Stammpublikum anzogen, das es aufgrund seiner illustren Charaktere mit der Doku "Bellaria - So lange wir leben" 2002 sogar selbst auf die Leinwand des Kinos geschafft hat.

Erst einmal einen Platz reservieren

- © Heidrun Henke
© Heidrun Henke

"Die sind alle tot", posaunt Frau Renate später heraus und deutet dabei auf das Filmplakat neben der hinteren Saaltür. Also zumindest die meisten, die in der Doku mitgewirkt haben. Die Staffel haben sie aber offenbar weitergegeben. Nicht nur, dass man sich untereinander beim Vornamen siezt, hat die alte mit der neuen Generation gemein. Auch einen gewissen Verdruss mit den zeitgenössischen Kinofilmen hört man sowohl in der Doku also auch am Donnerstag noch durch. Nicht bei allen freilich - manche frequentieren durchaus auch moderne Spielfilme, andere wie Herr Manfred hegen neben dem Kino auch eine große Leidenschaft für Oper und Theater. Alternativen gäbe es also durchaus, schade wäre es aber trotzdem, wenn man sich hier nicht mehr trifft.

Als Frau Renate zur Tür hereinrauscht, kann sie aber bitte erst einmal keine neugierigen Fragen beantworten, sie müsse sich zuallererst ihren Platz reservieren. Und schon ist sie im geduldig wartenden Kinosaal verschwunden. Später steht sie neben dem Buffet aus Wasser, Apfelsaft und verschiedenen Snacks auf Papptellern, das die beiden einzigen Angestellten Kerstin und Milica, oder Milka, wie sie hier alle nennen, auf der Popcorn-Theke ausgerichtet haben. Von Betreiber Erich Hemmelmayer keine Spur, organisiert haben die Abschiedsfeier die Stammgäste.