Tiere auf der Bühne wie im Film sind vor allem für Kin der erdacht, freilich gibt es Ausnahmen. Berühmte sogar: "The Lion King" und natürlich "Cats". Wenn von einem dieser Musikevents die Rede ist, hantiert man stets mit Superlativen: Erfolgreichstes Musical mit Rekordlaufzeit und astronomischen Zuschauerzahlen. "Cats" haben angeblich 81 Millionen Zuschauer in 50 Ländern und 19 verschiedenen Sprachen gesehen. 1983 feierte das Katzenspektakel in Wien deutschsprachige Erstaufführung, diesen Herbst wurde der Broadwayhit erneut im Ronacher aufgenommen, ein Ende der Aufführungsserie ist nicht in Sicht.

Nun hat Universal Pictures "Cats" auch noch verfilmt und kündigt nichts Geringeres als "das Kino-Musical des Jahres" an, was auch als Kampfansage an Disney Pictures verstanden werden kann. Disney brachte diesen Sommer "The Lion King" mit opulenten Landschaftsaufnahmen und computergenerierten Tieraufnahmen heraus. Das Match der Musical-Giganten gewinnt "The Lion King". Die "Cats"-Verfilmung, die wie im Theater auf kostümierte Schauspieler setzt, drückt etwas zu sehr auf die Tränendrüse. Damit folgt der Regisseur zwar dem Grundprinzip des Genres, doch die tränenreichen Großaufnahmen - vor allem beim bekanntesten Song "Memory" gibt es kein Halten - gehen auf der XL-Kinoleinwand an die Schmerzgrenze.

Taylor Swift tritt als Bombalurina in Aktion, ihr Lied "Beautiful Ghosts" ist bereits für den Golden Globe nominiert. - © Universal Pictures
Taylor Swift tritt als Bombalurina in Aktion, ihr Lied "Beautiful Ghosts" ist bereits für den Golden Globe nominiert. - © Universal Pictures

Grüner als grün

Regisseur Tom Hooper, der zuletzt etwa "The King’s Speech" und das Musical "Les Misérables" in die Kinos brachte, entschied sich bei "Cats" für eine Art Hyperrealismus. Die Londoner Docks und dunklen Seitengassen, in denen sich die streunenden Katzen herumtreiben, wirken völlig überzeichnet. Über allem liegt ein Extraglanz. Auch die Kostümbildner haben keinen Aufwand gescheut: Das Katzenfell glänzt, dass es einen beinahe blendet, Schwänze und Ohren wackeln ohne Unterlass, die Augen leuchten grüner als grün. Und Choreograf Andy Blankenbuehler liefert ein exzentrisches Best-of vom klassischen Ballett und Stepptanz bis zu Hip-Hop und Street Dance.

Oscar-Preisträgerin Judi Dench übernimmt die Rolle der weisen Deuteronimus. - © Universal
Oscar-Preisträgerin Judi Dench übernimmt die Rolle der weisen Deuteronimus. - © Universal

Bei der Handlung halten sich die Drehbuchautoren Hooper und Lee Hall an die bekannte Vorlage, die übrigens auf einer für Kinder geschriebenen Gedichtsammlung von T. S. Eliot aus 1939 beruht ("The Old Possum’s Book of Practical Cats"): Katzen treffen sich in einer Mondscheinnacht zum alljährlichen Ball, bei dem eine von ihnen mit einem neuen Leben, einem Neuanfang belohnt wird.

Eines muss man Hooper freilich lassen, er hat ein ausgesuchtes Ensemble zusammengestellt: Taylor Swift tritt als Bombalurina in Aktion, ihr Lied "Beautiful Ghosts" ist bereits für den Golden Globe nominiert, Oscarpreisträgerin Jennifer Hudson spielt die ehemalige Glamour-Queen Grizella, die Schauspiel-Altmeister Ian McKellen und Judi Dench sind ebenfalls mit von der Partie. In der Hauptrolle tänzelt die Londoner Primaballerina Francesca Hayward gekonnt als Kätzchen Victoria über die Leinwand, der britische Schauspieler und Sänger Idris Elba spielt mit Verve den Bösewicht McCavity.

Mehr ist mehr, dürfte das Motto des Films gewesen sein, dabei wäre weniger wohl mehr gewesen.