Sie sind selbstsicher, schön, sexy, raffiniert und schlichtweg unbezwingbar: Charlies Engel, die über Generationen hinweg schon actionreich zahlreiche Schurken zur Strecke gebracht haben. Tatkräftig unterstützt wurden die Drei dabei vom liebenswerten Bosley, der Kontaktmann zum unsichtbaren Charlie. So war es einmal.

Heute hat die ehemals in L. A. beheimatete Detektei zur "Townsend Agency" expandiert: Bosleys gibt es viele, ihre richtigen Namen erfährt man erst, wenn sie sterben. Auf der ganzen Welt verstreut betreuen sie unzählige Engel. Im 21. Jahrhundert gibt es offensichtlich viel zu tun. Für den ersten Bosley (Patrick Stewart) ist es dennoch an der Zeit in Pension zu gehen, und nach einer kleinen Überraschungsfeier übernimm eine weibliche Bosley (Elizabeth Banks) seine Engel: Jane (Ella Balinska) und Sabina (Kristen Stewart) müssen kurz darauf der Programmiererin Elena (Naomi Scott) in Berlin helfen. Sie versucht, die Markteinführung einer von ihr entwickelten bahnbrechenden und handlich sauberen Energiequelle zu verhindern. In den falschen Händen wäre diese nicht immer fehlerfrei arbeitende Erfindung eine perfekte Mordwaffe.

Geldgieriger Chef

Elenas Chef (Nat Faxon) wittert das große Geld, und schon nimmt die Geschichte ihren - vorhersehbaren - Lauf. Natürlich gibt es einen Verräter, den es zu entlarven gilt, und natürlich auch einen mordlüsternen Killer. Also nichts, was Charlies Engeln nicht schon kennen würden - ebenso die Zuseher. In Aufnahmen, die an Tourismuswerbung erinnern, geht’s durch die ganze Welt, man will den Zuseher auf falsche Fährten locken. Dazu gibt es ein paar gute Action- und Kampfszenen.

Am Zielpublikum vorbei

Dennoch misslingt der gut gemeinte Reboot von "3 Engel für Charlie". Regisseurin und Schauspielerin Elizabeth Banks war sich wohl nicht ganz über die Zielgruppe schlüssig. Um an "Charlie‘s Engel" Interesse zu finden, muss man schon mit der 1970er-Jahre-Serie aufgewachsen sein, oder die Filme aus 2000 und 2003 mit Drew Barrymore, Cameron Diaz und Lucy Liu zumindest gemocht haben. Nun sprechen Ella Balinska, Kristen Stewart und Naomi Scott aber ein wesentlich jüngeres Publikum an, das (zu) wenig mit dem Original verbindet. Der Kinostart-Flop in den USA bestätigt wohl das fehlende Interesse an Inhalt und/oder Cast. Banks als Drehbuchautorin setzt gemeinsam mit David Auburn und Evan Spiliotopoulos auf aktuelle Themen wie Klimakrise sowie Feminismus und hebt die Bedeutung von Frauenfreundschaften - wie eben jene der Engel - hervor. Die drei Engel selbst sind mehr Engelchen und manchmal durchaus auch Bengelchen. Am überzeugendsten ist hier noch Naomi Scott, die sich vom unscheinbaren Technikfreak zum cleveren Engel wandelt.

Banks möchte zuviel an Ideen unterbringen und kratzt infolgedessen in allen Belangen an der Oberfläche. Schade drum.