Man könnte glauben, dass Dokumentationen zwar das Wissen erweitern, aber dafür wenig bis gar nicht emotional beeindrucken. Wenigen gelingt dies, Stanley Nelson ist einer davon. Der Dokumentarfilm "Miles Davis: Birth of the Cool" - benannt nach dem Erfolgsalbum - drückt dabei aber keineswegs auf die Tränendrüse: Denn bekannterweise ist die Lebensgeschichte von Miles Davis wesentlich mehr als jene eines drogenverwirrten Musikgenies.

Für diese Dokumentation erhielt Nelson Zugang zum Nachlass, der bisher nicht gezeigtes Filmmaterial, darunter Studioaufnahmen von seinen Aufnahmesessions, seltene Fotos und Interviews enthielt. Zusätzlich mischt der Regisseur O-Töne mit Bildern, Musik und mit Wortmeldungen bekannter Wegbegleiter wie Carlos Santana, Quincy Jones, Wayne Shorter, Clive Davis oder Ron Carter. Sie erklären den Mythos Miles Davis auch für Nicht-Jazz-Kenner mit dazu passenden Musikbeispielen. Für Miles-Davis-Fans und wirklich Kenner der Musik vielleicht ein wenig zu banal.

Nelson fokussiert sich in diesem liebevoll gestalteten Porträt auf den hartarbeitenden Musiker, der unermüdlich immer wieder neue Wege seiner Musik sucht, und auf Davis Inspirationsquellen, die er meist in anderen Musikgattungen fand. Sein Privatleben wird zwar erwähnt, aber nur mit dem Zweck, den Menschen hinter der Trompete besser zu verstehen.