Nur wenige Stunden nach Bekanntwerden des Regierungsprogramms zwischen Türkis und Grün gab es erste erleichterte Reaktionen aus der heimischen Filmbranche, und das, ohne noch konkrete Details aus dem Regierungsprogramm zu kennen; dass die Kulturagenden in die Obhut von Ulrike Lunacek und damit zu den Grünen wandern, war allein schon Grund zur Freude in der Branche, die sich seit jeher mit konservativer Politik schwertat und vehement gegen Rechts aufgetreten ist. Dass es für die Kultur "nur" mehr ein Staatssekretariat wurde und kein eigenständiges Ministerium, schmälerte den Jubel zwar, jedoch lassen die Ankündigungen im Regierungsprogramm im Bereich des österreichischen Films zumindest auf eine Neuausrichtung der Politik hoffen - sind darin doch zahlreiche langjährige Forderungen der Filmbranche zumindest erwähnt. In der Ausformulierung ist man knapp und schwammig, wenig konkret und verbindlich, aber die Richtung scheint - zumindest für die Filmbranche - zu stimmen.

So freute sich das Filmarchiv Austria in einer Stellungnahme "auf die Zusammenarbeit mit Kunst- und Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek", hieß es in einer Aussendung. "Ihre langjährige internationale Erfahrung als erfolgreiche EU-Politikerin wird der Kulturpolitik insbesondere im Filmbereich zugutekommen, zumal der europäische Kontext für neue Filmprojekte, aber auch für die langfristige Bewahrung und zeitgemäße Erschließung des filmkulturellen Erbes in Österreich immer wichtiger wird. Es ist erfreulich, dass dieser Schwerpunkt ins neue Regierungsprogramm Eingang gefunden hat."

Alte Filmschätze verlangen technische Betreuung

Gemeint ist damit die im Programm erwähnte Gründung eines Film Preservation Centers und die dadurch erforderliche Anpassung im Bundesarchivgesetz. Eine solche Einrichtung ist schon seit Jahren eine zentrale Forderung der Filmarchive und der Branche; gerade in Zeiten der Digitalisierung müssen Neue Medien für die Zukunft lagerfähig und datensicher gemacht werden, aber auch alte Filmschätze, wie sie vom Filmarchiv Austria bewahrt werden, verlangen hohe technische Betreuung, um Kopien zu erhalten und zu restaurieren. Ein Regierungsbekenntnis zu einer solchen Einrichtung gab es bereits 2015, das Film Preservation Center sollte 2017 in Betrieb gehen. Mit Türkis-Blau und dem damaligen Kulturminister Gernot Blümel wurde ein neuer Anlauf unternommen, allerdings ohne Erfolg. Bis 2019 wollte man "evaluieren, wo das Film Preservation Center stehen soll", meinte Blümel damals in einem "profil"-Interview. Die geplatzte Koalition verhinderte dies.