Jetzt soll es unter Werner Kogler und Ulrike Lunacek also einen neuen Anlauf geben - von Terminen und Fristen sowie einem möglichen Standort ist allerdings (wieder) nichts im Regierungsprogramm zu lesen.

Vage präsentiert sich auch die Absicht, den "Filmstandort Österreich" zu forcieren: Die neue Regierung will "die bestehenden Filmfördermodelle evaluieren mit dem Ziel, heimisches Filmschaffen in all seinen Varianten und Vertriebsmöglichkeiten gezielt zu stärken". Eine schwammige Formulierung, die viele Bedeutungen haben kann: von der Ausweitung einiger Fördermodelle bis hin zu Kürzungen, Optimierungen oder Streichungen anderer Förderungen. Informationen dazu sind noch nicht zu bekommen, ein Rundruf in den bisherigen Förderstellen ergab vorerst noch - Ratlosigkeit: Man wisse noch nicht, was und wie sich alles verändern werde, ob es inhaltliche oder budgetäre Änderungen geben werde, hört man informell aus dem Bundeskanzleramt. Am Tag zwei nach der Angelobung der Regierung durchaus verständlich; es stehen ja nicht einmal noch die Pressesprecher vieler Abteilungen fest. Bleibt also die vage Formulierung, die ein fixes Bekenntnis zur Stärkung des Filmstandorts Österreich vorsieht.

Film als Kulturgut und Wirtschaftsfaktor

Bisher existiert mit der "FISA Filmstandort Österreich"-Initiative ein Fördermodell, dotiert mit jährlich 7,5 Millionen Euro, das Film nicht nur als Kulturgut, sondern vor allem auch als Wirtschaftsfaktor begreift. Gut möglich, dass die Formulierung im Regierungsprogramm also den Ausbau des Wirtschaftsfaktors Film vorsieht (was nicht zwingend zulasten des Kulturguts Film gehen muss, aber kann). Dafür spricht auch ein weiterer Passus im Regierungsprogramm: Dieser sieht äußerst knapp formuliert ein "Steueranreizmodell für die österreichische Filmproduktion" vor, was aber nicht näher erläutert wird. Noch im Mai hatte die alte Regierung im Ministerrat ein Steueranreizmodell für Filmfinanzierung ab 2020 beschlossen, doch zur Ausarbeitung der Details kam es nicht mehr.

Umsetzung der Gendergleichstellung

Die Initiative wurde von der Filmbranche begrüßt, da über sie nicht nur staatliche Fördergelder, sondern auch private Investitionen in Filme möglich würden. Der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer hat im August 2019 ein Angebotspapier für ein solches Modell vorgelegt: "In 97 Ländern der Welt gibt es neben klassischen subventionsbasierten Filmförderungen äußerst erfolgreiche steuerliche Anreizmodelle, die sowohl den jeweiligen Filmstandort für große ausländische Produktionen attraktivieren als auch ein Anreizmodell für private Investoren in nationale Filmproduktionen bieten", heißt es darin. Man erwartet sich eine Umsetzung.

Nicht zuletzt spielt auch die Gendergleichstellung im Kulturbereich, die die neue Bundesregierung umsetzen will, in den Filmbereich hinein. Dort ist die Lage von Frauen besonders prekär, da zwar mehr Frauen filmrelevante Ausbildungen absolvieren als Männer, aber die meisten in den oft männerdominierten Berufen nie ankommen, mahnt seit Jahren etwa der Verein "FC Gloria", der sich für Gendergleichstellung in der Filmbranche einsetzt. Im Regierungsprogramm ist die Formulierung zu finden, dass "Förderungen und Basissubventionen nur bei gleicher Bezahlung von Männern und Frauen ausbezahlt werden sollen". Ein Ansatz, der nachhaltig verändern könnte, gesetzt den Fall, er wird auch umgesetzt. Termine, Fristen und konkrete Umsetzungsvorschläge fehlen nämlich auch hier.