Joseph Gordon-Levitt hat schon viele fordernde Rollen übernommen, aber jene in Patrick Vollraths Flugzeugentführungsthriller "7500", der derzeit in den Kinos zu sehen ist, war für ihn "der bisher anspruchsvollste und schwierigste Film meiner Karriere", wie er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" verrät. In dem Streifen spielt der US-Amerikaner den Co-Piloten bei einem Flug eines Airbus A319 von Berlin nach Paris. Als das Flugzeug in der Luft von islamistischen Terroristen entführt wird und der Captain dabei ermordet wird, verschanzt sich der Co-Pilot im Cockpit und versucht, der Situation Herr zu werden, während hinten nicht nur die Passagiere, sondern auch seine Freundin in Lebensgefahr schweben.

Gordon-Levitt, der schon Teenie-Darsteller war (in der Serie "Hinterm Mond gleich links") und mit "500 Days of Summer" von Marc Webb im Jahr 2009 zum Kinostar wurde, hat im Langfilmdebüt des deutschen Haneke-Schülers Patrick Vollrath sozusagen die Oberhand in einer Kammerspiel-Situation, da der Film fast ausschließlich im Cockpit des Flugzeugs spielt und auch nahezu in Echtzeit erzählt wird.

"Wiener Zeitung": Wieso bezeichnen Sie "7500" als den schwierigsten Film Ihrer Karriere?

Gutes Team: Regisseur Patrick Vollrath (l.) mit seinem Star Joseph Gordon-Levitt bei der Weltpremiere von "7500" beim Filmfestival von Locarno 2019. - © Katharina Sartena
Gutes Team: Regisseur Patrick Vollrath (l.) mit seinem Star Joseph Gordon-Levitt bei der Weltpremiere von "7500" beim Filmfestival von Locarno 2019. - © Katharina Sartena

Joseph Gordon-Levitt: Das hatte vor allem mit dem Setting zu tun: "7500" ist ein Kammerspiel, das seine Spannung gerade aus dieser Abgeschiedenheit im Cockpit bezieht. Dafür wurde von Regisseur Patrick Vollrath eigens ein Cockpit von Airbus angekauft, in dem wir gedreht haben. Patrick wollte sehr genau sein und eine reale Umgebung schaffen, also musste auch das Cockpit das originale sein. Cockpits wie dieses gibt es von den Herstellern zu Trainingszwecken zu kaufen. Wir haben es auch nicht verändert, obwohl wir darin mit der Kamera hantieren mussten und wirklich kaum Platz gehabt haben.

Ein Dreh auf engstem Raum also.

Ja, und meine Aufgabe war es primär, in diesem beengten Umfeld meine Figur mit Leben zu füllen und dies mit Methoden zu tun, die ich bisher so nicht kennengelernt hatte. Patrick hat uns 20, 30, ja fallweise sogar 40 Minuten am Stück vor laufender Kamera ohne Schnitt gefilmt. Immer wieder mussten wir neue Szenen spielen, immer wieder neu anfangen oder Variationen ausprobieren. Das war für mich sehr wichtig, um in die Rolle und vor allem um in die Situation dieser Flugzeugentführung zu finden.

Wie fanden Sie also schließlich in Ihre Rolle?

Patrick wollte, dass ich mich sehr genau vorbereite, also habe ich Unmengen an Berichten über Flugzeugentführungen gelesen und auch gelernt, wie Piloten mit einer solchen Situation umzugehen haben. Auch, dass der Filmtitel "7500" jenen Code bezeichnet, den Piloten zur Erde funken, wenn das Flugzeug entführt wird, war mir neu. Wichtig war aber auch, dass man in dem Film, der fast nur im Cockpit spielt, dramaturgisch und psychologisch achtsam war, was die eigene Performance anging. Hier die richtige Balance zu finden, war aufwendig.