Es war ganz wichtig, dass ich nicht zu sehr der junge Udo Lindenberg war. Dass ich keine Imitation von ihm spielte, sondern, dass man ihm mit Respekt begegnet und zugleich etwas Eigenständiges kreiert", sagt Jan Bülow. Der Berliner ist mit gerade einmal 23 Jahren drauf und dran, das Wiener Burgtheater einerseits und das deutschsprachige Kino andererseits im Sturm zu erobern. In Ersterem ist er derzeit in zwei Produktionen zu sehen, in "Vögel" am Akademietheater und in "Die Edda" an der Burg. Ab Februar probt Bülow unter der Regie des Isländers Thorleifur Örn Arnarsson "Peer Gynt", er spielt die Titelrolle.

Man traut ihm viel zu in Wien, und wenn man glaubt, was man hört, dann ist Bülow, dieser bleichgesichtige, große, schlanke Mann mit dem durchwegs verträumten Blick, der nächste große Burg-Star. "Ich bin soeben erst von Berlin nach Wien gezogen", erzählt er beim Gespräch nach einem "großartigen" Backhendlsalat im Café Landtmann, was ab sofort sozusagen die "Kantine" des Schauspielers sein wird, denn: Einerseits liegt das Burgtheater gleich daneben "und meine Wohnung ist quasi auch gleich ums Eck".

Jan Bülow ist derzeit nicht nur als Udo Lindenberg im Kino zu sehen, sondern auch im Burgtheater: als "Frey/Baldur" in "Die Edda". - © apa/H. Neubauer
Jan Bülow ist derzeit nicht nur als Udo Lindenberg im Kino zu sehen, sondern auch im Burgtheater: als "Frey/Baldur" in "Die Edda". - © apa/H. Neubauer

Zusehen bei einer Entwicklung

An die Burg hat man ihn geholt, nachdem er nur ein Jahr am Schauspielhaus Zürich engagiert war und dort als "Hamlet" begeisterte. Die Wiener zögerten nicht lange und lockten Bülow nach Wien, in die "unglaubliche Theaterstadt", wie Bülow findet. "In Wien gehört das Theater zur Stadt wie in keiner anderem Metropole der Welt." Das Schöne daran wäre, "dass die Autogrammjäger beim Bühneneingang warten. Das habe ich noch nirgends gesehen."

Die andere Kunst, für die sich Bülow erwärmen kann, ist der Film. Derzeit ist er in "Lindenberg! Mach dein Ding" im Kino als junger Udo Lindenberg zu sehen, ein durchaus gelungener Versuch, die Frühzeit vor Lindenbergs Durchbruch als Rocker und Poet einzufangen. Das gelingt zwischen Rotlichtflackern und Reeperbahn-Suff ganz gut, und weil Bülow auch unscheinbar kann, geht das Kalkül auf, das Regisseurin Hermine Huntgeburth wohl hatte: Dem Udo bei seiner Entwicklung zuzusehen, keine vorgefassten Biopic-Pfade zu bestreiten, sondern eine Figur richtig mit sich selbst hadern zu lassen, was korrekter formuliert ist, als zu sagen: Wie aus Udo wurde, was er ist.

Er will "sein Ding" machen, will Musiker sein, aber wie das alles gelingen soll, ist dem jungen Udo Lindenberg nicht klar. Deshalb verdingt er sich auch mit viel Suff und recht unerträglichen Engagements. "Ich bin kein direkter Fan von Udo und seiner Musik gewesen, als ich die Rolle angeboten bekam", sagt Bülow. "Als Kind kannte ich ihn von meinem Vater, der hatte eine Platte von ihm, und natürlich aus den Medien, denn Udo ist wirklich omnipräsent. Inzwischen bin ich wirklich ein Fan von ihm und seiner Musik. In seinen Texten kann ich mich durchaus wiederfinden. Seine Ausdrucksweise und sein Rhythmus begeistern mich, und ich entdecke immer wieder neue Songs und Passagen, die mich umhauen."