Du bist kein Nazi Jojo. Du bist ein zehnjähriges Kind, das sich gerne eine lustige Uniform anzieht und Teil eines Clubs sein will." Diese Worte richtet Elsa Korr (Thomasin KcKenzie) an den jungen Jojo Betzler (Roman Griffin Davies) und berührt damit den Kern von Taika Waititis Nazi-Satire "Jojo Rabbit". Das Anliegen des "Thor Ragnarok"-Regisseur war es, einen, wie er es nennt, "Anti-Hass-Film" zu drehen. Die Parallelen zur Gegenwart sind offensichtlich. Waititi will die Macht der Propaganda aufzeigen und vor Augen führen, wie gerade junge Menschen indoktriniert werden.

Der Film hat seit seiner Premiere beim Toronto International Film Festival zwiespältige Reaktionen ausgelöst. Dem Regisseur wird etwa vorgeworfen, dass er sich dem heiklen Sujet auf etwas zu simple Weise annähere, dass beispielsweise Jojo seine Vorurteile gegenüber Jüdin Elsa einfach nur ausdiskutieren müsse. Das Nazi-Trio, verkörpert von Sam Rockwell, Rebel Wilson und Alfie Allen, das wenig bedrohlich wirke und primär die Botschaft "es gibt auch gute Nazis" vermittle. Die Abwesenheit der schwerwiegenden Naziverbrechen zugunsten einer Kleinstadtidylle, deren gute Laune einzig durch die anrückende Alliierten-Armee getrübt wird.

Jeder Witz zählt

"Ich wollte nie etwas machen, das sehr einfach ist, weil ich mir denke, wenn es zu einfach ist, was bringt es dann?", erklärte Waititi in einem Interview mit dem Magazin "Deadline".

Humoristische Annäherungen an die Schrecken des Nationalsozialismus waren meist von Kontroverse und Debatten umgeben. Lachen über Hitler. Darf man das denn? Die ersten Hitler-Satiren entstanden bereits, als der Diktator nach an der Macht war, in Europa Krieg herrschte und das wahre Ausmaß der Massenmorde noch nicht bekannt war. 1940 erschien etwa Charlie Chaplins "Der große Diktator". Der Clou war der Rollentausch zwischen dem Tyrannen und einem jüdischer Barbier, der ewige Außenseiter adressierte die Massen mit einem Aufruf zu mehr Toleranz, während Diktator Adenoid Hynkel zu einem Clown reduziert wurde.

Zwei Jahre später präsentierte der deutsch-jüdische Emigrant Ernst Lubitsch "Sein oder Nichtsein". Sein Film, der von einer jüdischen Schauspieltruppe im besetzten Polen handelt, die ihre künstlerischen Fähigkeiten nutzt, um die Besatzer in die Irre zur führen, wurde zunächst stark kritisiert. Dabei untergräbt Lubitsch keineswegs die tragische Seite der Geschichte und changiert gekonnt zwischen Nazi-Satire und Kriegsbildern aus dem zerstörten Warschau.