Tritt die Figur von Adolf Hitler in einer Komödie auf, stellt man sich immer die gleiche Frage: Ja, darf man denn das? Über Hitler, Holocaust und die Nazis lachen?

Dabei stellt man sich diese Frage eigentlich nur in Deutschland und Österreich, der Rest der Welt lacht schon viele Jahrzehnte über ihn, zuallererst bei Charlie Chaplin in dessen "Der große Diktator" von 1940. Nun kommt mit "Jojo Rabbit" wieder eine amerikanische Hitlerkomödie ins Kino, die bei den kommenden Oscars sogar sechsfach nominiert ist, darunter auch als bester Film.

Regisseur Taika Waititi adaptierte den an sich gar nicht lustigen Roman von Christine Leunens und erzählt von dem zehnjährigen Johannes "Jojo" Betzler (passend besetzt: Griffin Davis), ein geradezu fanatischer Jung-Nazi mit großem Engagement in der Hitlerjugend, dessen Mutter (Scarlett Johansson) sich allerdings im Widerstand engagiert und außerdem noch ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) bei sich versteckt hält. Jojo gerät bald in einen Gewissenskonflikt, da ihn das Mädchen verwirrt, er aber von seinem imaginären Begleiter Adolf Hitler (gespielt vom Regisseur selbst), den nur er sehen kann, ermahnt wird, ein guter Nazi zu sein. Hitler ist dabei mal Motivator, mal Tänzer, mal Popstar. Diese Konstellation gebiert eine Reihe slapstickhafter Momente, die oft rasend komisch sind, aber zuweilen auch bemüht und herbeikonstruiert wirken. Aber Waititis Hitler ist in all seiner Blödheit und Blödsinnigkeit immerhin mindestens so erinnerungswürdig wie dereinst Chaplins großer Diktator.