Was sie eint, ist schnell erklärt: Durch die eine Stadt fließt die Saar, durch die andere die Aare, und in beiden Städten ist es im Jänner bitterkalt. Ideales Kinowetter also, und das ist auch ein Grund, weshalb man in Saarbrücken und im schweizerischen Solothurn fast termingleich in die Lichtspielhäuser bittet.

In Saarbrücken wird heuer unter dem Titel "Max Ophüls Preis" zum 41. Mal dem filmischen Nachwuchs aus dem deutschsprachigen Raum breiter Raum gewidmet. Es ist hier traditionell auch ein guter Boden für das österreichische (Nachwuchs-)Kino, und auch im diesjährigen Programm gibt es heimische Arbeiten. Etwa Arash T. Riahis Spielfilm "Ein bisschen bleiben wir noch", der hier seine Weltpremiere erlebt. Riahi, nicht mehr wirklich ein "Nachwuchs"-Regisseur, sondern lange etablierter Filmkünstler und Produzent, erzählt darin von den Geschwistern Oskar und Lilli, die getrennt von der psychisch instabilen Mutter bei unterschiedlichen Pflegefamilien leben. Die Kinder wollen ihre Mutter jedoch gerne wiedersehen, doch auf dem Weg dorthin liegen viele bürokratische Hürden. Ein Film, der im Fahrwasser von Jugend-Sozialdramen wie "Systemsprenger" ein gerade sehr aktuelles Thema aufgreift und damit wie für Riahi typisch auch einen politischen Unterton parat hält, zugleich aber auch eine Ode an die kindliche Fantasie sein will.

Johanna Moders im Herbst in Zürich uraufgeführter Film "Waren einmal Revoluzzer" läuft in Saarbrücken auch im Wettbewerb und verhandelt das Gefüge einer alten Freundschaft, die ins Wanken gerät, als zwei Paare (darunter Julia Jentsch, Manuel Rubey) einem russischen Freund zur Flucht nach Österreich verhelfen, weil dieser in der Heimat politisch in Schwierigkeiten gerät.

Im Dokumentarfilmwettbewerb tritt aus Österreich der Film "Arche Noah" von Anna Krist an. Darin geht es um die Kinder von illegalen Einwanderern in die USA, die durch die Geburt auf US-Boden die Staatsbürgerschaft erlangen. Die Protagonistin Nora engagiert sich für diese Kinder, die im Fall eines Abschiebungsbescheids oft für immer von ihren Eltern getrennt werden. Drei Filme in einem Nachwuchs-Bewerb, die politischer kaum sein könnten. Das heimische Kino findet gerade wieder zu einer Ernsthaftigkeit zurück, der es jüngst etlicher Komödien wegen etwas verlustig gegangen war.

Politisch dürften auch die Filmtage Solothurn werden, die Mittwoch Abend eröffnet wurden. Bei diesem Filmfestival geht es vor allem um das Schweizer Kino, es ist sozusagen die Diagonale der Schweiz. Dementsprechend der Fokus der Kulturpolitik auf identitätsstiftende Inhalte: "Je schneller die gesellschaftlichen Veränderungen, desto wichtiger wird es, dass wir die reale, gegenwärtige Schweiz im Medium Film erleben - sonst erstarrt unser Selbstbild", findet der Schweizer Bundesrat für Kultur, Alain Berset. Deshalb, so Berset weiter, sollten künftig Streamingdienste auch in den Schweizer Film investieren.

Kino, das sich engagiert

Es geht also ums Geld und um Investitionen in den audiovisuellen Sektor. Wobei den Schweizern nicht egal ist, was hier finanziert wird: Felix Gutzwiller, der Präsident der Solothurner Filmtage, meint: "Wir brauchen ein Kino, das sich engagiert und neue Formen der Solidarität erprobt. Auch das Filmschaffen muss aktiv am Gemeinwesen teilnehmen. Wir brauchen glaubwürdige Bilder und Narrative, die den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft stärken." Film also, um die Nation zu stärken und soziale Zwecke zu erfüllen? Nicht ganz, wie Anita Hugi, die neue künstlerische Leiterin der Schau, die Seraina Rohrer nachgefolgt ist, betont: "Es geht im heurigen Programm zum Beispiel um Einsamkeit, um Familienbeziehungen, Freundschaften, um Liebe und Erwachsenwerden." Themen, die gerade junge Menschen ansprechen würden. Und das Kino wäre keinesfalls dazu da, den Zeigefinger zu erheben oder Inhalte einzubläuen. Im Gegenteil: "Beim Filmeschauen und beim Filmemachen schafft man sich Zeit, um sich auf ein Thema einzulassen, zu beobachten, über etwas nachzudenken und etwas von allen Aspekten her und aus allen Perspektiven zu beleuchten", sagt Hugi. "Gerade in unserer doch schnelllebigen Zeit ist das besonders kostbar."