Die elegante, freistehende Wendeltreppe, die Valie Export als Preisskulptur für den Österreichischen Filmpreis entworfen hat, ist schnell zum starken Markenzeichen des Preises geworden - und genau so eine Unverwechselbarkeit braucht es auch im heillos überfüllten Kalender der Preis-Galas rund um die Oscars. Der Österreichische Filmpreis ist zumindest optisch unverkennbar.

Für die Jubiläumsgala am 30. Jänner im Auditorium Grafenegg setzt man auch sonst auf Unverkennbarkeit. Einerseits pendelt die Gala jährlich zwischen dem Wiener Rathaus und Grafenegg, weil gerade der ländliche Raum bei den Politikern von Niederösterreich schon unter Erwin Pröll zur Chefsache erklärt wurde. Andererseits besetzt die Gala alle Themen, die derzeit schwer in Mode sind: Schon im Vorfeld wurde bei einem Thementag am 24. Jänner zum Green Panel in Wien geladen, bei dem es um Nachhaltigkeit in der Filmbranche ging. Die neue Kulturstaatssekretärin Ulrike Lunacek von den "Grünen" war auch zu Gast: "Um den Filmstandort Österreich zu forcieren, muss man Fördermodelle weiterentwickeln - dazu gehört auch die Nachhaltigkeit. Ich finde es großartig, dass bei der Filmproduktion Initiativen gesetzt werden und man darauf achtet, Plastik zu vermeiden, sich Gedanken macht, wie der Transport abläuft und welches Catering man einsetzt."

Grüne Welle

Diese neue Bio-Welle soll sich auch bei der Gala fortsetzen: Diese soll möglichst nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für Green Events ausgerichtet werden, selbstverständlich mit vegetarischem Buffet in bio und natürlich umweltzertifiziert. Ob’s auch schmeckt, wird der Gala-Abend zeigen.

Auch ein Thema, das den Filmschaffenden unter den Nägeln brennt (und nicht nur denen), ist die Gendergleichstellung. Um auch hier mit gutem Beispiel voranzugehen, ist die Gala am Donnerstag dann auch fest in weiblicher Hand. Den Abend inszenieren wird Regisseurin Mirjam Unger. Und bei den Nominierten dominieren ebenfalls die Frauen: Jessica Hausner führt mit "Little Joe" (zehn Nominierungen) das Feld der Nominierungen an, gefolgt von Marie Kreutzer mit "Der Boden unter den Füßen" (sieben) und Sudabeh Mortezai mit "Joy" (sechs). Diese drei Produktionen und ihre Regisseurinnen machen auch die Duelle um den besten österreichischen Film und um die beste Regie untereinander aus. Männer? Fehlanzeige!

Bei den Dokumentarfilmen dominieren hingegen die Männer: Es rittern "Erde" von Nikolaus Geyrhalter, "Bewegungen eines nahen Bergs" von Sebastian Brameshuber und "Gehört gesehen - ein Radiofilm" von Jakob Brossmann und David Paede um die begehrte Trophäe. Mit Uli Gladiks "Inland" ist immerhin ein Film einer Frau mit dabei.

Insgesamt haben 435 stimmberechtigte Mitglieder der Akademie des österreichischen Films, allesamt Filmschaffende, ihr Votum abgegeben. Angeführt wird die Akademie von einer Doppelführung, die ebenfalls ausgeglichen ist: Stefan Ruzowitzky und Ursula Strauss stehen ihr vor. Strauss setzt sich in ihrer Eigenschaft als Präsidentin auch für die Gleichstellung der Geschlechter ein: "Was ich wichtig finde, ist, dass Frauen für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden und die gleiche Chance auf Jobs haben sollten. Ich habe das Gefühl, dass die Formen des Sexismus, die früher nicht nur in unserer Branche verbreitet waren, es nicht mehr so leicht haben", sagt Strauss. "Man darf aber nicht aufhören, an dieser Sache zu arbeiten, nur weil man denkt, es sei ein wenig besser geworden."