Braucht man spezielle Fähigkeiten, um mit dieser Freiheit umgehen zu können?

Auf jeden Fall. Mir hilft sehr, dass ich immer auch eigene Ideen zu meinen Rollen entwickle, denn dann kann man dem Regisseur auch Dinge anbieten. Man darf keine Angst vor dem Scheitern haben, aber dieses Gefühl gibt einem Terrence Malick ohnehin nicht: Er lobt meistens, kritisiert nur selten am Set. Man darf innerhalb dieser Freiheit auch nicht zu technisch sein, sondern sollte sich ganz in die Figur, die man spielt, hineinfallen lassen.

Was war diese Fani Jägerstätter für ein Mensch?

Es ist eine Prinzipienfrage, die die Jägerstätters angetrieben hat. Die beiden hatten so tief empfundene Prinzipien, dass sie ihr Gewissen nicht ignorieren konnten, um das Richtige zu tun. Sie glaubten an das Gute und nicht an die Zerstörung. Sie teilten etwas, das so sehr das Gegenteil von dem war, was Hitler und das Naziregime repräsentierten. Es ging ihnen um Freundschaft, Toleranz und Liebe. Was Fani betrifft: Sie hatte eine starke Aufrichtigkeit, und das Besondere daran war, dass sie zugleich keinerlei Stolz vor sich hertrug. Sie hat ihre eigenen Bedürfnisse hinter die höhere Sache, hinter die Gewissensfrage gestellt. Das fand ich ungemein beeindruckend: Fani war eine Frau, die weiß und fühlt, was richtig ist, und diesem Impuls folgt, obwohl es bedeutet, viel oder sogar alles im Leben zu opfern, um seine Ideale und seine Werte nicht zu verraten. Den Moment, in dem man sich da hineinversetzt, empfand ich als sehr energiespendend für die Ausgestaltung der Figur, denn man sieht dadurch sehr gut, wie es möglich ist, gegen alle Meinungen eisern zur eigenen Überzeugung zu stehen. Der Mensch ist wirklich dazu fähig.

Wenn der Mensch dazu fähig ist, dann hätte es Hitler gar nicht geben dürfen.

Der Mensch ist fähig dazu, diese innere Stimme zu hören, und dazu braucht es mit Sicherheit auch eine große Ruhe, um diese Art von Gewissen zu spüren. Dort, in der Stille, kann man den freien Willen, den wir alle haben, erst richtig hören.

Franz Jägerstätter galt während des Krieges als Verräter und auch nach dem Ende des NS-Regimes hielt sich die Skepsis. Erst in den 1970er Jahren wurde sein Ruf wiederhergestellt und im Oktober 2007 wurde er von der katholischen Kirche seliggesprochen. Sie haben seine inzwischen über 80-jährigen Töchter getroffen. Was haben die Ihnen gesagt?

Für sie fühlt es sich so an, als wäre es nicht nur ein persönliches Trauma. Sie tragen auch das ganze Gewicht des historischen Kontexts auf den Schultern, was sie sehr belastet, nicht nur der persönliche Schmerz. Ich hoffe, dass der Film eine Debatte über die Verhinderung anderer totalitärer Diktatoren wie Hitler und eines von Hass erfüllten mörderischen Regimes eröffnen kann. Es bricht mir das Herz, die Töchter von Franz und Fani zu kennen und zu sehen, dass rechtsextreme Tendenzen wieder zunehmen. Es macht mir klar, wie wichtig es ist, nie zu vergessen, und wie wichtig es ist, jetzt wieder auf diese Zeit zurückzublicken, zu sehen, wohin das führen kann.