Wer die Dohnal war, muss auch heute nicht erklärt werden. Zumindest nicht bei jenen Österreichern über 40. Jüngere erfahren über die Ikone des heimischen Feminismus nur durch Eigeninitiative oder vielleicht von ihren Müttern. Von den Vätern vermutlich nicht. Regisseurin Sabine Derflinger setzt mit ihrem Porträt "Die Dohnal" dieser beeindruckenden Persönlichkeit ein filmisches Denkmal.

Im Oktober 1979 schlug Bundeskanzler Bruno Kreisky die Wiener Gemeinderatsabgeordnete Johanna Dohnal als Staatssekretärin für Frauenfragen vor. 1990 wurde sie Österreichs erste Frauenministerin und blieb es - bis Franz Vranitzky sich der Ministerin 1995 unsanft, man könnte sogar sagen: respektlos wieder entledigte. Obwohl sich die Dohnal über all die Jahre in ihrem Kampf für Geschlechtergleichheit wie kaum jemand sonst Respekt erarbeitet hat.

Derflinger fügt Interviews von Dohnals Tochter und ihrer Enkelin, ihrer Lebensgefährtin Annemarie Aufreiter sowie von Wegbegleiterinnen und Freunden wie Alice Schwarzer mit vielen Tagebucheinträgen und Archivmaterial zu einem beeindruckenden Porträt zusammen, das teilweise schockiert, aber auch zum Lächeln anregt. Die Brücke zur Gegenwart mit Gesprächsrunden junger Journalistinnen oder Künstlern beleben die Doku, die zeigt, dass eine Politikerin wie die Dohnal heute fehlt.