Eigentlich will die Literaturstudentin Joanna (Margaret Qualley, "Once Upon a Time in Hollywood") nichts sehnlicher als Schriftstellerin werden. Deshalb arbeitet sie im New York der 1990er Jahre als Assistentin in einem Verlag, um möglichst nahe dran zu sein am Literaturbetrieb. Ihre eher altmodische Chefin Margaret (Sigourney Weaver) ist als Literaturagentin bekannt, aber auch recht launisch. Dennoch kommt Joanna gut mit ihr aus. Bald schon erhält sie den Auftrag, die Fanpost des legendärsten aller US-Autoren, J.D. Salinger, zu beantworten. Ein Prozess, über den sie selbst zur ersehnten schriftstellerischen Arbeit findet.

"Es ist eine Coming-of-Age-Geschichte, die aus dem Herzen der Literatur berichtet", sagt Sigourney Weaver über den Film. "Und auch, wenn er von der großen weiten Welt erzählt, so war das ein sehr intimer Film mit wenigen Figuren und sehr kleinem Team, das die Geschichte wunderbar umsetzen konnte".

Das findet auch die Autorin der Buchvorlage Joanna Rakoff, deren Roman ihre eigene Geschichte erzählt: Sie arbeitete in den 90ern selbst hinter den Kulissen der Literaturszene. Der Kanadier Philippe Falardeau übernahm die Regie: "Philippe Falardeau war der geeignetste Regisseur für diesen Film", sagt Rakoff. "Ich habe mich mit vielen Regisseuren getroffen, aber er war der einzige, der mit soviel Enthusiasmus bei mir vorsprach. Er hat auch alles richtig hinbekommen, sowohl emotional als auch erzählerisch".

Sigourney Weaver ist der Star des Eröffnungsfilms - © Katharina Sartena
Sigourney Weaver ist der Star des Eröffnungsfilms - © Katharina Sartena

Falardeau, der den Film komplett in Kanada drehte ("unser New York sieht allerdings täuschend ähnlich aus"), sagte in Berlin, dass "My Salinger Year" zwar dem großen Autor von "Der Fänger im Roggen" Tribut zollt, sich aber dennoch nicht um ihn dreht. "Ich liebe die Buchvorlage, und man sagt ja, das Buch ist immer besser als der Film. Das trifft in diesem Fall sicher zu. Ich habe Salinger erst als Erwachsener gelesen, nicht als Jugendlicher wie die meisten. Ich wollte, dass der Film sich nicht um Salinger dreht, sondern um die Wirkung seiner Literatur, die den Menschen in den Köpfen herumschwirrt. Es ging mir darum, ein Gefühl zu vermitteln, was Literatur einem Leser bedeuten und welche Dimension sie in seinem Leben einnehmen kann."

Der Film eröffnet die 70. Berlinale im Rahmen einer Special Gala - er tritt somit nicht im Wettbewerb um den Goldenen Bären an, sondern läuft außer Konkurrenz.