"Das größte Glück für mich war es, dass ich in armen Verhältnissen aufgewachsen bin". Roberto Benigni, 67, meint das ernst, nicht zynisch. "Ich habe das schon in der Oscarnacht gesagt, aber damals hat mich niemand ernst genommen. Und heute wiederhole ich diese Aussage."

Benigni gewann 1997 für "Das Leben ist schön" den Oscar als bester Schauspieler, unvergessen ist seine Dankesrede, bei der er vor Freude über die Sesselreihen im Auditorium tanzte. Er, der einst kleine Bub aus den ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Dorf in der Toskana, hatte es bis ganz nach oben geschafft. Weil er schon als Bub wusste, was es heißt, Träume zu haben. Große Träume.

Roberto Benigni ist in Berlin, um bei der Berlinale Matteo Garrones neuen Film "Pinocchio" vorzustellen. Darin spielt er den Geppetto, jene Figur, die das hölzerne Wesen Pinocchio erschuf. "Fellini wollte mich einst als Pinocchio für seinen eigenen Film, aber daraus wurde nichts", erzählt Benigni im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Es gibt aber Dutzende Zeichnungen von ihm, die mich als Pinocchio zeigen. Und dann, drei Jahrzehnte später, bin ich wieder bei Pinocchio dabei, diesmal als sein Schöpfer. Es ist schön, wenn sich der Kreis schließt".

Roberto Benigni mit "Pinocchio"-Darsteller Federico Ielapi und Regisseur Matteo Garrone. - © Katharina Sartena
Roberto Benigni mit "Pinocchio"-Darsteller Federico Ielapi und Regisseur Matteo Garrone. - © Katharina Sartena

Benigni, der 2002 seine eigene Version von Carlo Collodis Geschichte verfilmte, sei sein ganzes Leben von Pinocchio umgeben gewesen. "Ich bin wohl der einzige Schauspieler auf der Welt, der sowohl Pinocchio als auch Geppetto gespielt hat. Er war immer präsent in meinem Leben, schon als Kind las mit meine Mutter die Geschichte vor", sagt Benigni. Eine Kindheit, die glücklich verlief. "Deshalb sage ich immer: Das größte Glück in meiner Kindheit war unsere Armut. Denn sie hat meine Fantasie angeregt, ich selbst dachte von mir, ich erlebe die größte und großartigste Kindheit, die überhaupt nur möglich ist. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar", sagt Benigni - es ist sein Lebensthema, denn auch in "Das Leben ist schön" ist es letztlich das Vorspielen von Fantasie, das Vater und Sohn inmitten der Wirren des Zweiten Weltkriegs den Mut bewahrt. "Fantasie zu haben, ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft, die man als Kind entwicklen kann. Sie bringt einen sicher durchs Leben".