Willem Dafoe gehört zu den Hollywood-Stars, die man als "sophisticated" bezeichnen kann. Der Schauspieler, strahlt trotz seiner 64 Jahre noch immer eine schelmenhafte Jugendlichkeit aus, das liegt an seinem breiten Lächen und seiner offenen Art. Für manche Kinobesucher war Dafoe immer auch ein bisschen zum Fürchten, denn besonders diabolische Bösewichter hat er immer wieder gespielt (etwa in "Spiderman" oder "Speed 2"). Dabei ist Dafoe eigentlich überwiegend im Kunst- und Arthaus-Kino daheim, wie ein Blick in seine umfangreiche Filmografie verrät: Von Schnabels "Basquiat" über Cronenbergs "eXistenz" bis hin zu Lars von Trier "Antichrist" und "Nymphomaniac" reichen seine Rollen. Und auch mit Kultfilmer Abel Ferrara hat er schon einige Filme gemacht, zuletzt "Tommaso", 2014 "Pasolini" und nun - im diesjährigen Wettbewerbsprogramm der Berlinale - "Siberia".

"Ich liebe es, mit Abel zu arbeiten, weil er ein Regisseur ist, der mich fordert", sagt Dafoe im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Meistens sage ich bei Abels Projekten sofort zu, ganz egal, worum es darin geht. Wir sind beide starke Persönlichkeiten und wissen, was wir wollen. Ich mag, wie er mich in die Arbeit einbindet. Wir drehen sehr rasch und zügig. Das ganze Filmteam ist wirklich wie eine Familie. Jeder hat seinen Aufgabenbereich. Und eines ist sicher: Bei Abel am Set gibt es immer guten Espresso. Je besser der Espresso, desto besser am Ende der Film", lacht Dafoe, der - so wie Ferrara seit einigen Jahren in Rom seinen Hauptwohnsitz hat und daher weiß, wie Espresso schmecken muss. Gestritten wird bei den engen Freunden Ferrara und Dafoe allerdings auch - und zwar häufig. "Meistens geht es dabei um Kleinigkeiten", erzählt Dafoe. "Denn bei den großen Fragen sind wir uns eigentlich restlos einig".

Dafoe und Kultfilmer Abel Ferrara sind seit Jahren beste Freunde. - © Katharina Sartena
Dafoe und Kultfilmer Abel Ferrara sind seit Jahren beste Freunde. - © Katharina Sartena

In "Siberia" geht Willem Dafoe quasi auf einen Höllentrip in sich selbst; der Film ist wie eine therapeutische Sitzung, bei der Abel Ferrara seinen Seelenschmutz nach außen kehrt. Clint, so Dafoes Figurenname, bricht mit dem Hundeschlitten in die Schneewüste auf, um dort sich selbst zu finden. Das Ganze ist radikal und roh, sprunghaft und manisch inszeniert, und so mancher Journalist verließ frühzeitig den Saal.

"Ich mag die Körperlichkeit dieser Figur sehr", sagt Dafoe. "Generell mag ich, wenn Figuren etwas tun, sich physisch einbringen in einen Film. Es wäre nichts schlimmer für mich, als in einer Szene am Küchentisch zu sitzen und nur zu reden", lacht er. Und sagt, dass gerade unkonventionelle Scripts wie jenes zu "Siberia" seine Aufmerksamkeit erregten. "Je konventioneller ein Drehbuch, desto unwahrscheinlicher ist meine Mitwirkung", sagt Dafoe. "Ich will bei all meinen Filmen ein inneres Feuer spüren, ich will mich in den Figuren verlieren und am Ende etwas dabei über mich und die Welt gelernt haben. Es klingt vielleicht nach einem Klischee, aber es stimmt: Ich will von meiner Filmarbeit aus der Bahn geworfen werden". Wieso der ganze Aufwand? "Weil mich dieser Beruf sonst vermutlich langweilen würde. Und Langeweile", sagt Dafoe, "das bedeutet für jeden Schauspieler den Tod".