"Da gibt es doch glatt doppelte Polizeipräsenz, denn schließlich ist die Queen in der Stadt", witzelten Passanten vor der Preisverleihung des Goldenen Ehrenbären an die britische Schauspielkönigin Helen Mirren, die in "The Queen" (2006) Königin Elizabeth II. so brillant dargestellt hatte. Die Polizeipräsenz war zwar wegen eines ganz anderen Einsatzes erhöht worden, aber optisch passte das: Helen Mirren, 74, hat auch außerhalb ihrer Rolle als "Queen" etwas Majestätisches. Sie ist eine britische Dame, sie hat Understatement und eine gewisse Noblesse umgibt ihre zutiefst sympathische Aura.

"Am Anfang meiner Karriere ging mir das Theater über alles", sagt Mirren. "Damals habe ich die Biografien von berühmten Bühnenpersönlichkeiten wie Eleonora Duse, Sarah Bernhardt oder Anna Pawlowa geradezu verschlungen. Ich habe erst spät herausgefunden, welche speziellen Erzählmöglichkeiten der Film bietet und dass es da auch eine Interaktion mit dem Publikum geben kann", sagt sie. Die Berlinale, sie sei ein kritisches Festival, bei dem Filme auch schon einmal ausgebuht würden, so Mirren. Aber genau das mache die Auseinandersetzung mit Filmkunst ja so spannend.

Bis ein Film aber zu seinem Publikum kommt, muss er erst gedreht werden, und da hat Mirren einen besonderen Zugang zur Rollenwahl. "Bevor ich ein Drehbuch lese, lese ich immer zuerst die letzte Seite, um zu sehen, ob ich noch vorkomme. Eine Figur, die irgendwann im Film verschwindet, interessiert mich nicht". Frau Mirren will also vor allem Hauptrollen spielen, und davon finden sich auch genug in ihrer umfangreichen Filmografie. "Mir war es nicht so wichtig, dass ich starke Frauenpersönlichkeiten spiele", sagt sie. "Es stimmt, viele meiner Rollen waren solche starken Frauen. Aber mich haben immer mehr die Brüche interessiert, die Momente des Zweifelns und Scheiterns bei diesen Figuren". Diese Momente seien es, die einer Figur ihre Wahrhaftigkeit gäben.

Natürlich hat man Helen Mirren auch auf ihre Darstellung der Queen angesprochen. "Ich habe mich ihr mit dem größten Respekt genähert. Dass sich Queen Elizabeth II. mehrmals hat malen lassen, hat mich ermuntert, sie zu spielen. Ich sagte mir: Dieser Film ist einfach nur ein weiteres Porträt von ihr. Und seit ich mich so intensiv mit ihr befasst habe, bewundere ich die Queen als ein Musterbeispiel an Disziplin und Beständigkeit".