Im Jahr 2018 gewann der Japaner Hirokazu Kore-eda für "Shoplifters" die Goldene Palme in Cannes, mit "La vérité - Leben und lügen lassen" legt er nun seinen ersten Film vor, der außerhalb seiner Heimat entstand - und gleich darstellerische Schwergewichte wie Catherine Deneuve und Juliette Binoche vor der Kamera versammelt. Und zwar als Mutter und Tochter. Die Deneuve ist als alternde Schauspielerin zu sehen, sie spielt sich quasi selbst. Sie ist eine Legende, die an ihren einstigen Konkurrenten und den heutigen Starlets kein gutes Haar lassen kann. Das generiert nette Seitenhiebe auf die französische Filmwelt. Ihre Tochter und deren Mann (Ethan Hawke) reisen an, weil Mutter ein Buch veröffentlicht hat, das "La vérité" heißt - "Die Wahrheit".

Deneuve in "La vérité - Leben und lügen lassen". - © Filmladen
Deneuve in "La vérité - Leben und lügen lassen". - © Filmladen

Wahrheiten sind bekanntlich oft relativ, weshalb sich die Beschriebenen aus der Familie der Diva darin gar nicht wiedererkennen, was für einigermaßen Spannungen sorgt. Tatsächlich gibt es hier auch Querverweise auf Deneuves Biografie: Für Brigitte Bardot hat sowohl die Diva im Film als auch die echte Deneuve kaum lobende Worte übrig. Und auch, dass Deneuves Schwester 25-jährige bei einem Autounfall starb, spiegelt sich im Plot wider.

Hirokazu Kore-eda hat mit seinem Gespür für zwischenmenschliche Töne und dank der abgebrühten Divenhaftigkeit seiner Hauptdarstellerin einen durchaus launigen Film über das Schauspieler-Dasein gedreht, der auch eine Portion Selbstironie parat hält. Dennoch wirkt die Familie aus Deneuve, Binoche und Hawke ein wenig überkonstruiert, sodass am Ende von "La vérité" nicht viel mehr übrig bleibt als ein paar Momente großer Schauspielkunst und noch mehr Momente voller Einblicke in die wirklich harte Welt einer Diva. Das war ironisch gemeint.