Für den österreichischen Film ist es dieser Tage genauso düster wie für sämtliche andere Kunstsparten. Das Internet wird als große Ausweichoption gefeiert, jedoch gelangt es gerade im audiovisuellen Bereich inzwischen an seine Grenzen, sodass YouTube und Netflix angekündigt haben, die Bildqualität zu verringern, um dem großen Ansturm auf die Inhalte gerecht zu werden.

Verlegen die Diagonale ins Digitale: Peter Schernhuber (links) und Sebastian Höglinger. - © Katharina Sartena
Verlegen die Diagonale ins Digitale: Peter Schernhuber (links) und Sebastian Höglinger. - © Katharina Sartena

Die heimischen Filmfestivals Diagonale und Crossing Europe, die beide wegen der Corona-Krise abgesagt wurden, haben seit Donnerstagabend prominente Gesellschaft bekommen: Auch das Filmfestival von Cannes wird nicht stattfinden, zumindest nicht zum avisierten Termin zwischen 12. und 23. Mai. Cannes träumt noch von einer Verlegung auf Ende Juni, Anfang Juli. Sobald es die Entwicklung der gesundheitlichen Situation in Frankreich und dem Rest der Welt zulasse, werde man sagen können, welche der Optionen letztendlich gezogen würden. Für die Filmwelt bedeutet dies die Absage ihres wichtigsten Events: Neben dem Festival ist auch der Filmmarkt - der größte seiner Art - gecancelt. Das bringt Millionenverluste für alle Teilnehmer und für die Veranstalter selbst.

Angelpunkt Flimmit

Bei Crossing Europe in Linz will man die getanen Vorbereitungen für die Filmschau nicht sang- und klanglos verräumen, sondern das Festival in einer anderen Form präsentieren. "Derzeit wird daher geprüft, ob Teile des geplanten Filmprogramms auf andere Weise dem Publikum zugänglich gemacht werden können", sagt Festivalleiterin Christine Dollhofer.

Die Diagonale in Graz ist da schon einen Schritt weiter: Eine Verschiebung des Festivals wäre aufgrund von "rechtlichen Vereinbarungen, temporären Verträgen sowie finanziellen und personellen Ressourcen unmöglich" gewesen, hieß es in einer Aussendung. "Um Teile des Festivalprogramms nun dennoch auf die eine oder andere Art und Weise online zugänglich zu machen, haben wir verschiedene Angebote zusammengestellt." Dreh- und Angelpunkt dieser "unvollendeten" Diagonale ist dabei die VOD-Plattform des ORF, Flimmit. Hier werden Filme der abgesagten Diagonale gezeigt: Neuere österreichische Filme - unter anderem von Barbara Albert, Kurdwin Ayub, Karl Markovics oder Anja Salomonowitz - treffen in einem einmonatigen Onlinefestival auf Highlights aus den Spezialprogrammen sowie auf österreichische Filmperlen aus dem Archiv.

Auch das ORF-Radio macht mit: Mit der Preview des No-Budget-Spielfilms "3freunde2feinde" von Sebastian Brauneis und der Underground-Fußballdoku "Robin’s Hood" von Jasmin Baumgartner zeigt FM4 zwei Diagonale-Filmpremieren via Livestream. Auch ORF 2, ORF III und Okto steuern rund um den ursprünglichen Diagonale-Termin Programmschwerpunkte bei.

Sebastian Höglinger, der die Filmschau zusammen mit Peter Schernhuber leitet, betonte auf Nachfrage, dass "diese Form der Diagonale natürlich niemals ein Ersatz sein kann, besonders dann nicht, wenn das Festivalprogramm als analoges Kinoereignis konzipiert wurde. Bei der Auswahl galt es zudem, rechtliche Vorgaben und persönliche Wünsche zu berücksichtigen. Gerade wegen all dieser Einschränkungen freuen wir uns von Herzen, für einen Monat zumindest ein klein wenig Diagonale-Flair für zuhause anbieten zu können."

Kinos unterstützen

Eine weitere Alternative für Fans des österreichischen Films gibt es auch beim Kino-VOD-Club unter https://kino.vodclub.online: Auf der Plattform wählt man sein (derzeit geschlossenes) Lieblings-Programmkino aus und kann dann gegen eine Leihgebühr auf dessen Onlinepräsenz eine große Auswahl an heimischen Filmen online streamen.

Das Angebot reicht von "Klassikern" wie Barbara Alberts "Nordrand" über aktuelle Filme wie "Der Taucher" mit Franziska Weisz bis zu Diagonale-Gewinnern wie "Die bauliche Maßnahme" von Nikolaus Geyrhalter. Auch Sabine Derflingers neue Kinodoku "Die Dohnal" über die einstige Frauenministerin wird ab 27. März für eine Woche im Kino-VOD-Club zu sehen sein, weitere neuere Titel sollen folgen. "Der Clou an der Plattform ist: Man unterstützt mit jedem geliehenen Film sein Lieblingskino, das finanziell beteiligt ist", heißt es von der Initiative. Die geschlossenen Lichtspielhäuser können so wenigstens einen kleinen Teil der entgangenen Einnahmen kompensieren.