Den US-Amerikanern wird dieser Tage das volle Ausmaß der Corona-Krise in ihrem Land klar, und auch in der Filmindustrie ist Corona voll angekommen. Die Studios fahren ihre Aktivitäten komplett zurück.

Die Bedrohung ist eine doppelte: Vorne wie hinten steht Hollywood mit dem Rücken zur Wand. Vorne, weil man auf fertigproduzierten Filmen sitzen bleibt, die derzeit im Verwertungsweg Kino nicht veröffentlicht werden können. Die Verwertungskette bricht zusammen, seit Universal vergangene Woche damit begonnen hat, solche Filme ganz einfach online zu stellen - eine Verkürzung der Filmauswertung, die sich nach der Corona-Krise nur schwer rückgängig machen lassen wird (die "Wiener Zeitung" berichtete).

Gestoppte Großprojekte

Hinten nach entsteht nun das Problem, dass derzeit keine neuen Filme mehr produziert werden können, weil die meisten Dreharbeiten wegen des Virus unterbrochen werden mussten.

Zum Beispiel der siebente Aufguss der "Mission: Impossible"-Reihe mit Tom Cruise, der schon im Februar gestoppt wurde: Die drei geplanten Dreh-Wochen in Italien wären schon damals völlig undenkbar gewesen. Auch bei Disney, wo man hierzulande gerade den eigenen Streamingdienst Disney+ gestartet hat, stehen die Filmkameras still: Der Drehstopp soll helfen, Begegnungen am Set zu vermeiden.

Betroffen sind unter anderem Großprojekte wie "The Little Mermaid", Guillermo del Toros "Nightmare Alley" und Ridley Scotts Historiendrama "The Last Duel" mit Matt Damon und Ben Affleck. Nachdem Tom Hanks und seine Frau Rita Wilson am Coronavirus erkrankt sind, hat Warner Bros. auch Baz Luhrmanns noch titellose Elvis-Biografie abgebrochen, in der Hanks Presleys Manager Colonel Tom Parker spielt. Außerdem liegen Projekte wie "The Batman" und "Jurassic World: Dominion" auf Eis, und auch die Dreharbeiten zur lange erwarteten Fortsetzung zu "Avatar" sind derzeit gestoppt - die Crew will statt des Drehblocks in Neuseeland lieber daheim in Los Angeles am bereits gedrehten Material arbeiten und die Zeit in die Special Effects investieren - etwas, was bei diesem Projekt ohnehin das Wichtigste ist. Mit "Avatar" hatte Regisseur James Cameron 2009 die 3D-Ära eingeläutet, 2017 begann er mit der gleichzeitigen Produktion von vier neuen "Avatar"-Filmen. Der avisierte Kinostart von "Avatar 2" im Jahr 2021 dürfte wegen den Stopps jedoch nicht zu halten sein. Beim Streaming-Anbieter Netflix steht die Film- und Serienproduktion ebenfalls still. Netflix hat deshalb einen 100 Millionen Dollar schweren Hilfsfonds für die Mitarbeiter bereitgestellt. Mit 15 Millionen Dollar sollen demnach generell von der Krise betroffene Mitarbeiter der Branche in Ländern, in denen Netflix viel produziert, unterstützt werden.

Mit dem Stopp werden in Hollywood noch weitere Bereiche der Unterhaltungsindustrie in Mitleidenschaft gezogen: Catering-Firmen verlieren ebenso ihre Aufträge wie Filmkamerahersteller, Fahrtendienste oder Logistikunternehmen. Und auch die Manager der Kreativen müssen Einschnitte hinnehmen: Bei der "United Talent Agency" (UTA), die unter anderem Schauspieler wie Timothee Chalamet, Awkwafina oder Chris Pratt vertritt, müssen alle 900 Mitarbeiter ab sofort empfindliche Gehaltskürzungen hinnehmen. "Das ist besser, als Leute rauszuschmeißen", wird ein UTA-Manager zitiert. Die Branche geht davon aus, dass weitere Agenturen dem Beispiel von UTA folgen werden.

Dunkler könnten die Wolken über Hollywood derzeit also kaum sein, da platzt auch noch die Hiobsbotschaft vom prognostizierten Verlust herein: Experten rechnen mit 20 Milliarden Dollar, die an den Kinokassen fehlen. 2019 wurden weltweit 42 Milliarden eingespielt, das wäre heuer also ein Minus von fast 50 Prozent. Ein Verlust, den selbst diese Megabranche kaum schultern wird können. Insider erwarten, dass die Krise zu etlichen Schließungen - auch bei bekannten Produktionsfirmen - führen könnte.