Als "Geierwally" ist sie bekannt geworden. Später war sie Aktivistin für Tierrechte, Umweltschützerin, Pazifistin, Politikerin aus Überzeugung - und aus Überzeugung ist sie aus der Politik ausgeschieden. Jetzt ist Barbara Rütting, wie eben bekannt wurde, am 28. März in Marktheidenfeld gestorben.

Geboren am 21. November 1927 als Waltraud Irmgard Goltz in Berlin, war das älteste von fünf Kindern eines Lehrerehepaars. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs floh sie mit Hans Rütting, einem Freund der Familie, nach Dänemark und heiratete ihn 1946. Sie schlug sich als als Dienstmädchen und Fremdsprachenkorrespondentin in Kopenhagen durch.

Nach der Scheidung 1951 kehrte sie nach Berlin zurück. Ein Jahr später debütierte sie als Schauspielerin und wurde als beste Nachwuchsschauspielerin ausgezeichnet. In 45 Filmen spielte sie die weibliche Hauptrolle, etwa in "Die letzte Brücke", "Canaris" und "Stadt ohne Mitleid". Bekannt wurde sie vor allem aber als Geierwally im gleichnamigen, überraschend schroffen Heimatfilm.

1970 veröffentlichte sie ihren ersten Roman "Diese maßlose Zärtlichkeit".

Aktivismus und Politik

In den 1980er Jahren beendete Barbara Rütting ihre Schauspielkarriere , um sich auf ihr politisches Engagement zu konzentrieren. In dessen Zentrum standen am Anfang die Tierrechte. Im November 1982 kettete sich die überzeugte Vegetarierin mit 30 Tierschützern aus Protest gegen Tierversuche vor den Berliner Werkstoren des Pharmakonzerns Schering an.

Es ging ihr aber nicht nur um die Tiere: Bei den Mutlanger Friedenstagen bei Demonstrationen gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen in polizeilichen Gewahrsam genommen. Und nach der Katastrophe von Tschernobyl führte sie Vollwert-Kochkurse für strahlengeschädigte Kinder durch und organisierte Hilfsprojekte. Barbara Rüttings Erfahrung mit Vollwerternährung ist auch die Basis des nach ihr benannten Rütting-Brots.

1982 trat sie den Grünen bei, die sie wieder verließ, als die Grünen unter Joschka Fischer dem Einsatz im Kosovokrieg zustimmten. Überzeugt von Renate Künasts Einsatz für Tierschutz trat sie dann aber wieder ein.

2003 wurde sie von den Grünen im Chiemgau, wo sie damals lebte, gebeten, für den Bayerischen Landtag zu kandidieren. Über die oberbayerische Bezirksliste zog sie im Alter von 75 Jahren als Abgeordnete in den Landtag ein und wurde Alterspräsidentin.

Konsequenter Pazifismus

Als die Grünen dem Afghanistaneinsatz zustimmten, legte sie ihr Landtagsmandat zurück und verließ die Partei, als Renate Künast in einem Film gemeinsam mit einem Kind einen Fisch tötete. In der Folge unterstützte Barbara Rütting die Kleinpartei Tierschutzpartei. 2016 trat sie in die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer ein und kandidierte auf Platz zwei der bayerischen Landesliste.

Im Gedächtnis als Schauspielerin - oder doch als Politikerin? Barbara Rütting war bei allem, was sie machte, mit Herz und Seele dabei. Sie überzeugte in ihren Filmrollen gerade, weil sie sich das Seelenleben der Charaktere anverwandelte, als wäre es ihr eigenes. Ihre leidenschaftlichen Aktionen für Vollwert- und Biokost wurden seinerzeit belächelt - heute weiß man, in wie vielem Barbara Rütting recht gehabt hat. Sie war eine Grün-Pionierin aus Überzeugung, wie sie eine Filmschauspielerin aus Überzeugung gewesen war. Sie war in ihrem Pazifismus und in ihrer Liebe zum Leben aller Kreaturen konsequent, manchmal bis zur Selbstaufgabe. Das fordert auch dann, wenn man ihren politischen Zielen fernsteht, Achtung.