Seit Ausbruch der Corona-Krise steht die heimische Filmbranche kopf. Wie keine zweite Branche im Kulturbereich sind hier wirtschaftliche und künstlerische Ausfälle zu beklagen, sind Dreharbeiten unterbrochen, Kinoauswertungen gestoppt, Härtefälle bei den ohnedies prekär arbeitenden Künstlern zutage getreten. Deshalb sind von den Verbänden der österreichischen Film- und Musikwirtschaft umfassende Maßnahmen erarbeitet worden, die schlimmen Schaden verhindern sollen. "Die Notfallmaßnahmen von Härte- bis Katastrophenfonds werden den am schwersten Betroffenen sicher helfen. Es ist darüber hinaus notwendig, auch für die Zeit danach Film- und Musikwirtschaft zu unterstützen und schnell wieder den notwendigen Wiederaufbau zu bewältigen", findet Markus Deutsch, der Geschäftsführer des Fachverbandes Film- und Musikwirtschaft in der WKO. Zusammen mit seinem Kollegen Werner Müller wurde ein umfassendes Maßnahmenpaket mit allen Verbänden der Filmwirtschaft - auch jenen der Arbeitnehmerseite - koordiniert.

Verdampfte Maßnahmen

Die heimische Filmbranche steht angesichts des Virus still. Schnelle Hilfe ist noch nicht in Sicht. - © Katharina Sartena
Die heimische Filmbranche steht angesichts des Virus still. Schnelle Hilfe ist noch nicht in Sicht. - © Katharina Sartena

"Es ist wichtig, anzumerken, dass die Film- und Musikbranche immer etwas ‚anders‘ tickt als die übrigen Branchen", sagt Müller. "Manche Maßnahmen sind für diese atypische Branche wenig geeignet, den ohnehin bereits vor der Krise prekär beschäftigten Dienstnehmern zu helfen. Film braucht speziell zugeschnittene Maßnahmen." Die erste Runde der Notfallmaßnahmen seien eher "verdampft", Informationen, wie die zweite Runde ab Mitte Mai ausfallen wird, sind noch spärlich. "Leider helfen hier weder Kreditstützungen noch Fixkostenzuschüsse", sagt Müller. "Der Ersatz der massiven Umsatzrückgänge durch Kinoschließungen und abgesagte Drehs kann nur über Filmfördermaßnahmen und einen Push für die Zeit nach der Krise erfolgen."

Gemeinsam fordert man nun, die Vielfalt und Kreativität in der Branche zu erhalten - ein Sicherheitsnetz soll gespannt werden, damit "niemand allein gelassen wird". Dazu gehören Kurzarbeit auch für befristete Beschäftigungsverhältnisse ab vier Wochen, Steuerfreiheit für die Hilfszahlungen aus dem SKE-Katastrophenfonds sowie eine Flexibilisierung der Künstlersozialversicherung. Wichtig sei gerade bei Kreativen, beim Härtefallfonds nachzubessern, etwa bei einer Öffnung für Mehrfachversicherte, bei der Erhöhung der Zuverdienstgrenze oder der Berücksichtigung von Karenzzeiten.

Die Bemessung von Einkommensausfällen soll nicht an monatlichen Umsätzen festgemacht werden, da diese bei Filmern und Musikern oft asymmetrisch sind. Wichtig ist auch die Unterstützung der Branche mit Weitblick, so Deutsch. "Entscheidend ist, dass der gesamten Branche geholfen wird, denn Tonstudios, Werbe- und Wirtschaftsfilme sind von den Produktionsstopps und der Schließung der Kinos und im Handel ebenso betroffen wie Verleiher, Weltvertriebe, Musik-Labels und Kino- & TV-Produktionen." Ein ganzer Rattenschwanz an Sub-Branchen hängt daran.

Eine Schlüsselrolle in der Bekämpfung der Corona-Krise wird auch dem ORF zukommen, der der wichtigste Auftraggeber der Filmbranche in Österreich ist. Die WKO fordert daher ein zusätzliches ORF-Budget für Mehrkosten-Finanzierungen der Sub-Unternehmen, in der Regel die Produktionsfirmen der Branche. Dazu ein Liquiditätsfonds und die Erhöhung österreichischer Inhalte in Radio und TV.

Noch keine Reaktion

All dem zugrunde liegen die Schätzungen der WKO, wie sich die Corona-Krise auf die Branche auswirken könnte: "Den Schaden in der Kinofilmwirtschaft schätzen wir mit mindestens 1,7 Millionen Euro pro Monat Stillstand ein", so Deutsch. Man geht daher im Österreichischen Filminstitut von einem Bedarf von mindestens 2,7 Millionen Euro aus, der bei Verlängerung der Maßnahmen noch entsprechend steigen wird. Im RTR-Fernsehfonds rechnet die WKO angesichts der gestoppten TV-Drehs mit einem Bedarf von fünf Millionen Euro zusätzlich.

"Gelöst werden können die Probleme der Film- und Musikschaffenden nur über eine Erhöhung der Förderungen", sagt Werner Müller. Und schärft drastisch nach: "Wenn man das nicht tut, riskiert man einen Dammbruch in der Szene und gefährdet die Existenz einer seit Jahrzehnten konsequent aufgebauten Branche."

Die Vorschläge aus dem Fachverband liegen derzeit auf dem Tisch von Staatssekretärin Ulrike Lunacek und dem Vernehmen nach beim Vizekanzler. Offizielle Reaktionen gibt es noch keine.