Was ist das Interessanteste für die Fans von James Bond? Seine Colts? Seine Frauen? Mitnichten! Natürlich sind es die Autos, die 007 fährt, die bei der (männlichen) Zuschauermehrheit das Blut in Wallung versetzen. Mit seinen fast 60 Filmdienstjahren auf dem Buckel kamen Bond schon etliche donnernde Motoren unter seinem Gasfuß.

Warum Bond seit jeher schnelle Autos fahren durfte, auch in den zwölf Romanen und neun Kurzgeschichten seines Erfinders Ian Fleming, liegt ganz schlicht an Flemings Leidenschaft zu ebensolchen Wagen; diese PS-Liebe lebte Fleming beim Schreiben aus, später dann auch die Regisseure bei den inzwischen 25 Bond-Abenteuern (der Kinostart des neuesten 007-Actionspektakels "Keine Zeit zu sterben" wurde wegen der Corona-Krise auf November verschoben). Ein Buch beleuchtet nun die Geschichte der Bond-Fahrzeuge, vom ersten Bond-Film "Dr. No" bis zu "Keine Zeit zu sterben", bei dem sich Autor Siegfried Tesche höchstselbst ans Bond-Set ins italienische Matera begeben hat.

Der Lotus Esprit für "Der Spion, der mich liebte" (1977). - © G. Wolf
Der Lotus Esprit für "Der Spion, der mich liebte" (1977). - © G. Wolf

Ein Auto mit Kultstatus:
der Aston Martin DB5

Allen voran wird Bond mit dem legendären Aston Martin DB5 assoziiert. Erstmals fuhr Bond diesen Klassiker im Film "Goldfinger" (1964), und er gehört bis heute zu seinem Fuhrpark. Auch in "Keine Zeit zu sterben" werden Daniel Craig - und seine zahlreichen Stuntmen - diesen Boliden lenken. Kein anderes Bond-Auto hat je einen annähernd so großen Kultstatus erlangt wie der DB5, wiewohl der weiße Lotus Esprit, den Roger Moore in "Der Spion der mich liebte" (1977) sogar zu einer Unterwasser-Tauchtour mitnahm, dem schon nahekommt. Kult sind aber auch Bonds gelbe Ente aus "In tödlicher Mission" (1981) oder der Sunbeam Alpine aus dem allerersten Bond "Dr. No" aus dem Jahr 1962. Ab dem Einstieg von Pierce Brosnan in den Bond-Ring mit "Golden Eye" (1995) wurde die Autoauswahl kommerzieller: BMW kaufte sich ein und stellte Bond seinen damals neuen Z3 zur Seite. Bond-Filme wurden geradezu zu den Paradebeispielen für ungeniertes Product Placement. Mit Daniel Craig kehrte dann der Aston Martin wieder sichtbarer in Bonds Universum zurück, auch und gerade in seiner klassischen Form des DB5.

Hier sind vier der eigens für den Film gebauten Fahrzeuge zu sehen. Siegfried Tesche, Autor von "MOTORLEGENDEN – James Bond", war Ende August 2019 vor Ort in Matera. - © Siegfried Tesche
Hier sind vier der eigens für den Film gebauten Fahrzeuge zu sehen. Siegfried Tesche, Autor von "MOTORLEGENDEN – James Bond", war Ende August 2019 vor Ort in Matera. - © Siegfried Tesche

Bond-Schöpfer Fleming hatte den Aston Martin schon in seinen Romanen erwähnt, damals noch den Sportroadster DB III: Der hätte perfekt zu dem "abenteuerlustigen, jungen Mann" gepasst, als den er Bond skizzierte. Wichtig waren dabei aber die Gimmicks: Fleming beschrieb, wie Bond mit einigen zusätzlichen Schaltern Form und Farbe der Frontscheinwerfer verändern konnte, wie er mit verstärkten Stoßstangen zum Rammen befähigt war oder wie er unter dem Führersitz einen Colt 45 mit langem Lauf eingebaut hatte; diese technischen Spielereien beflügelten die Macher der Bond-Filme. Schon bald gehörte es zum Usus, dass ein Ingenieur namens Q (meisterlich gespielt von Desmond Llewelyn, später von John Cleese und aktuell von Ben Whishaw) mit Bond am Beginn jeder Mission ein neues Wunderauto durchsprach. "Ich habe in den Wagen ein paar Extras eingebaut, 007. Gehen Sie vorsichtig damit um", sagte Q. "Und bringen Sie das Auto in einem Stück wieder zurück". "Sie kennen doch meine Fahrweise", konterte Bond. Der Wagen war meist ein paar Szenen später schon schrottreif.

Ohne Stuntmen wäre Bond ein Spazierfahrer

Filmszene aus "Der Spion, der mich liebte" (1977): James Bond (Roger Moore) und Anya Amasova (Barbara Bach) entgehen ihren Verfolgern, indem sie im Lotus Esprit von einem Pier ins Meer fahren. Bei der Aufnahme saßen Dummys in der nicht fahrfähigen Karosse, die mit einer Kompressor-Luftrakete abgeschossen wurde. 
- © Buchseiten aus MOTORLEGENDEN – James Bond; Bild: picture alliance/ Everett Collection

Filmszene aus "Der Spion, der mich liebte" (1977): James Bond (Roger Moore) und Anya Amasova (Barbara Bach) entgehen ihren Verfolgern, indem sie im Lotus Esprit von einem Pier ins Meer fahren. Bei der Aufnahme saßen Dummys in der nicht fahrfähigen Karosse, die mit einer Kompressor-Luftrakete abgeschossen wurde.

- © Buchseiten aus MOTORLEGENDEN – James Bond; Bild: picture alliance/ Everett Collection

Mit viel Liebe zum Detail versammelt Buchautor und Bond-Experte Tesche in seinem reich bebilderten Band "Motorlegenden: James Bond" unzählige Anekdoten und Filmszenen, Hinter-den-Kulissen-Fotos und Berichte von den Dreharbeiten und alte Film-Reklamen, sodass aus dem kurzweilig verfassten Buch ein wahres Fest für Fans der Filmreihe wird. Dabei legt Tesche aber besonderen Wert darauf, nicht nur einen bunten Bilderreigen zu präsentieren, sondern auch ausführlich über alle Aspekte von Bonds fahrenden Untersätzen zu berichten.

Für die Dreharbeiten zu "James Bond – 007 jagt Dr. No" (1962) suchte die Produktion auf Jamaika nach einem einigermaßen schnittigen Cabrio. Ein Sunbeam Alpine Serie 2 in "lake blue" (Seeblau) war das einzige passende Fahrzeug auf der Insel. Seine Besitzerin, Jennifer Jackson, bekam dafür, dass sie ihren Wagen zur Verfügung stellte, 10 Pfund pro Tag. - © Siegfried Tesche
Für die Dreharbeiten zu "James Bond – 007 jagt Dr. No" (1962) suchte die Produktion auf Jamaika nach einem einigermaßen schnittigen Cabrio. Ein Sunbeam Alpine Serie 2 in "lake blue" (Seeblau) war das einzige passende Fahrzeug auf der Insel. Seine Besitzerin, Jennifer Jackson, bekam dafür, dass sie ihren Wagen zur Verfügung stellte, 10 Pfund pro Tag. - © Siegfried Tesche

Den Hauptteil des Buches nimmt daher das Kapitel "Die 10 besten Bond-Autos" ein. Dort macht man dann auch die Bekanntschaft mit etwas exotischeren Bond-Gefährten, etwa mit dem Mondfahrzeug "Moon Buggy" aus "Diamantenfieber" (1971). Im Toyota 2000 GT war für den 1,88 Meter großen Sean Connery keinerlei Kopffreiheit, weshalb man Toyota bat, das schnitte Gefährt eigens für "Man lebt nur zweimal" (1967) zum Cabrio umzubauen. Mit dem AMC Hornet vollführte Roger Moore in "Der Mann mit dem Goldenen Colt" (1974) einen spektakulären Spiral-Sprung, den man sich beim Stunt-Fahrer Chick Galliano abgeschaut hatte und den das Studio sogar patentieren ließ. Den Stuntmen widmet Tesche übrigens ein eigenes Kapitel im Buch; ohne sie wäre Bond mit seinen Autos nämlich bloß brav in der Gegend spazieren gefahren.