Wegen der Coronavirus-Pandemie können heuer einmalig auch Filme in die Oscar-Auswahl kommen, die nie im Kino waren, sondern ausschließlich bei Streaming-Diensten zu sehen sind. Das teilte die Academy in der Nacht auf Mittwoch in Los Angeles mit.

Normalerweise muss ein Film an mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen in einem Kino in Los Angeles zu sehen sein, um für eine Nominierung für die Filmpreise infrage zu kommen. Alle Kinos in Los Angeles sind aber seit mehr als einem Monat wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen.

Nach einer Wiederöffnung der Kinos gelte die vorübergehend gelockerte Regel nicht mehr, hieß es von der Academy. Die 93. Oscar-Verleihung ist für den 28. Februar 2021 geplant.

Kinokette AMC droht mit Boykott von Universal

Die Kinoschließungen lassen Filmfirmen zunehmend auf das Internet als Premierenort ausweichen. Der Online-Erfolg des Animationsfilms "Trolls World Tour" könnte nun die Filmindustrie verändern und sorgt für heftigen Streit mit der Kinobranche. Der Filmtheater-Betreiber AMC will keine Filme des Studios Universal mehr zeigen. Auslöser für die Drohung war die Ankündigung eines Top-Managers, Filme in Zukunft gleichzeitig in die Kinos und in den Online-Verleih zu bringen.

Traditionell werden neue Filme erst im Kino gezeigt und stehen erst einige Monate später zum Kauf oder Ausleihen sowie Streaming zur Verfügung. Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden und es gab auch Ideen, Filme zeitgleich zu ähnlichen Preisen wie beim Kinobesuch einer Familie online zu verleihen.

Die Schließung der Kinos in der Corona-Krise schob Kinostarts auf – einige Filme wie die "Trolls"-Fortsetzung gingen aber direkt in den sogenannten Premium-Online-Verleih für knapp 20 Dollar in den USA und 15 Euro in Europa. Für Universal zahlte sich das aus: In drei Wochen spielte der Film allein im US-Markt knapp 100 Millionen Dollar ein, wie das "Wall Street Journal" am Dienstag berichtete. Der Chef von NBCUniversal, Jeff Shell, machte in der Zeitung eine weitreichende Ankündigung: "Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Kinos wieder öffnen."

AMC, die weltgrößte Kinokette, konterte mit einem offenen Brief. "Ab sofort wird AMC keinen Film von Universal in einem seiner Kinos in den USA, Europa oder dem Mittleren Osten vorführen", so AMC-Chef Adam Aron. Genauso werde der Kinokonzern auch gegen jedes andere Studio vorgehen, das den Exklusiv-Zeitraum für Filmtheater nicht einhalten wolle. Bestrebungen von Universal, Filme zum Kinostart auch zuhause verfügbar zu machen, seien bereits seit Jahren bekannt. (apa/dpa)