"Du weißt gar nicht, was wahre Folter ist", haucht Ex-Model und Schauspielerin Jacqueline Fernandez ihrem Opfer ins Gesicht. Gleich zu Beginn der indischen Netflix-Produktion "Mrs. Serial Killer" macht das, getaucht in eine rot-grün ausgeleuchtete Folterkammer, noch Lust auf ein Genrestück der besonderen Art, jedoch ist dieser Satz vor allem: eine Drohung an die Zuseher. Denn was folgt, ist tatsächlich ein eher gequältes "Vergnügen".

Fernandez spielt Sona, die Ehefrau eines wohlhabenden Gynäkologen. Ihr Mann Joy (Manoj Bajpayee) ist viel unterwegs, und so teilt sie ihm über Skype mit, dass sie ein Kind erwartet. Das hat der Arzt offenbar vorhergesehen und bedankt sich mit einem Ständchen am Flughafen, von dem er gleich zur nächsten Reise abheben wird. Doch bei seiner Rückkehr klicken die Handschellen. Polizeiermittler Imran Shahid (Mohit Raina), ist sicher, dass er mit Joy einen lange gesuchten Serienkiller gefasst hat. Er soll fünf schwangere Frauen brutal gequält, die jeweiligen Föten durch eine zuvor eingeleitete Abtreibung entnommen und in Gläsern aufbewahrt haben. Am Ende soll er die Frauen bestialisch zugerichtet und ermordet haben. Joy gibt den Überraschten, er beschwört seine Ehefrau, ihm zu glauben, dass er mit diesen Gräueltaten nichts zu tun hat. Sona vertraut ihm und heuert den bettlägerigen Strafanwalt Mr. Rastogi (Darshan Jariwala) an, der den Fall lieber am Gesetz vorbei regeln würde. Der Polizeiermittler legt erdrückende Beweise vor, doch diese werden entkräftet, weil er früher selbst mit Sona liiert war, diese aber dann doch lieber den reichen Arzt geheiratet hat als den Schnüffler. Während Joy in U-Haft sitzt, wäre es dem Fall dienlich, es würde eine weitere schwangere Frau verschwinden, um den wahren Mörder zu fassen. Die Frage ist nur: Inwieweit muss hier nachgeholfen werden?

Regisseur Shirish Kunder schwelgt in epischen Bollywood-Bildern, wenn er hier seinen verpatzten, inhaltlich haarsträubenden Thriller in opulentem Dekor und in den Villen der reichen, indischen Oberschicht platziert. Die Kamera weist oft eine Schlagseite auf, das soll die Story wohl zusätzlich "entrücken", irritiert aber mehr als es nutzt. Das "Schauspiel" von Jacqueline Fernandez ist streng limitiert auf überrascht oder sinnlich Schauen. Die Green-Screen-Szenen sind zum Teil überaus hanebüchen umgesetzt, und die Intelligenz des Zuschauers wird weit unterschätzt. Es ist wahrlich kein Ruhmesblatt, was Netflix hier anbietet. Am Ende könnte sich daraus aber eventuell sogar ein Kultfilm entwickeln: Shirish Kunder zeichnet für Regie, Drehbuch, Schnitt und Musik verantwortlich - und in allen diesen Belangen ist "Mrs. Serial Killer" ein Reinfall. Dieses Versagen auf allen Ebenen ist wirklich selten geworden im Filmschaffen - und vielleicht gerade deshalb ein Grund für Kultstatus.

Doch das wird "Mrs. Serial Killer" nicht passieren, weil der Film auch inhaltlich in Bezug auf schwangere Frauen und alleinerziehende Mütter unverzeihliche Rückschritte propagiert.