Richard E. Grant sitzt im Jackett vor einem orangenen Hintergrund und sagt - nichts. Solange, bis er die geschätzte Aufmerksamkeit des p.t. Publikums vor den Amazon-Prime-Bildschirmen hat. Und dann beginnt er zu erzählen.

So ungewöhnlich die Serie "Dispatches from Elsewhere" (dt. Meldungen von Anderswo) beginnt, so stark verdichtet sie ihr Anderssein in jeder der neun Folgen. Jason Segel, früher Stichwortgeber und Spaßmacher in "How I Met Your Mother" hat diese Serie ersonnen und damit ein vertracktes Sammelbecken absurder Einfälle kreiert, aus dem es für die Protagonisten kein Entrinnen zu geben scheint. Die grundsätzliche Anordnung: Es geht um vier Personen, die feststellen, dass ihnen irgendetwas fehlt im Leben. Jason Segel macht in der Rolle des ängstlichen Peter gleich den Anfang, in der auch von ihm inszenierten ersten Folge. Dieser Peter wandelt verschreckt durch die Straßen Philadelphias, angestachelt von Zetteln und Plakaten, die Besserung verheißen im Leben, und die ihn in ein entrisches Hochhausbüro locken, in dem er seltsame Anweisungen befolgen muss, ehe sich der Boss dieser Unternehmung via Bildschirm an ihn wendet.

Richard E. Grant ist dieser Octavio Coleman, der von seinem Jejune Institut fabuliert, das einer Sekte gleich die Sinne seiner Mitglieder zu verwirren scheint. Jejune hat es fertig gebracht, ein Wunderwasser zu entwickeln und mit Delphinen zu sprechen, und das verwirrt den armen Peter. Bald schon tritt aber auch der Gegenspieler des Jejune Instituts auf den Plan, die Elsewhere Society, die sich gegen die Sinnlosigkeit des Daseins stellt und eine "göttliche Nonchalance" beschwört. Alles ziemlich kompliziert.

"Dispatches from Elsewhere" ist ein faszinierendes Rätsel geworden, eine Serie, der man einerseits Komplexität unterstellen könnte, oder aber auch: Grenzgeniale Publikumsverarschung. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, und mittendrin, wenn Jason Segel mit dem Bigfoot über die Straßen von Philadelphia tanzt, macht er eine richtig gute Figur, fernab aller bisherigen Rollen, die dieser Mann gespielt hat. Ganz bewusst hat Segel den Fortgang seiner Serie so geheimnisvoll wie möglich gehalten. Man fühlt sich dann und wann an die Ästhetik von "Twin Peaks" erinnert, aber das trifft es nicht wirklich: Dafür ist "Dispatches from Elsewhere" viel zu mystisch und magisch, viel zu aufgeladen mit Geheimnissen, die irgendwo zwischen Verschwörung und Verwirrung oszillieren. Es ist die Absicht, dass man hier nicht ad hoc den Durchblick bekommt, dieser ergibt sich erst aus Zusammenhängen, die über mehrere Folgen verstreut sind. Und auch dann wird es nicht schlüssig.

Aber: Das ist vielleicht die formale Einzigartigkeit dieser Serie: Dass sie das Wesen des seriellen Erzählens heraushebt aus der Masse der 08/15-Scripts, die ihre Handlung Szene für Szene abarbeiten und dabei sehr linear bleiben. "Dispatches from Elsewhere" stellt diese Dramaturgien hintan und begibt sich auf eine Reise, die man durchaus als abenteuerlich bezeichnen kann.