Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte, heißt es. Eine Abwandlung dieses bekannten Spruchs findet in der Netflix-Komödie "Die Turteltauben" Anwendung: Dort streiten sich zwei, und dort freuen sich zwei. Die Dritten eher nicht. Leilani (Issa Rae) und Jibran (Kumail Nanjiani) sind ein Paar, das einst aus purer Leidenschaft zueinandergefunden hat, aber nach einigen Jahren Beziehung hat der tägliche Streit die Oberhand gewonnen; man nörgelt aneinander rum, ja, denkt sogar an Trennung - doch just in diesem Moment stellt ein ins Auto der beiden geraster Radfahrer alles auf den Kopf. Der verletzte Mann steht auf und radelt in Windeseile davon, kurz darauf übernimmt ein angeblicher Cop das Steuer in Leilanis und Jibrans Auto - mit den beiden an Bord. Der Cop jagt den Radler, und als er ihn in einer Sackgasse stellt, überrollt er ihn mehrfach, bis dieser mausetot am Boden liegt. Der Cop rennt weg, das schockierte Paar wird am Tatort noch gesehen, ehe es ebenfalls flüchtet.

Haarsträubende Ausgangslage

Das ist die haarsträubende Ausgangslage für das Paar, das eben noch über das Beziehungsaus gestritten hat und jetzt mitten in einem Mordfall steckt. Doch Regisseur Michael Showalter gibt seinen Figuren keine Pause zur Reflexion, sondern kurbelt weiter munter am turbulenten Handlungsmotor: Weil Leilani und Jibran nun fürchten, dass sie von der Polizei gesucht werden, wollen sie ihre Unschuld in dem Fall lieber gleich selbst beweisen. Sie beschließen, herauszufinden, weshalb der Radfahrer sterben musste. Das geschieht bei dieser tollpatschigen Combo allerdings in einem slapstickhaft angelegten, nicht immer gelingenden Versuch, Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen.

Mal stolpert das Duo im Disco-Outfit und auf abgebrochenen High Heels über eine Feuerleiter ins Wohnzimmer einer Verbrecherbande und versteckt sich dann im Kasten, mal muss es entscheiden, ob es sich von einem Pferd treten lassen oder sich doch für das Übergießen mit heißem Speckfett entscheiden soll - egal, was da entlang des Weges für Näpfchen kommen, die beiden treten hinein. Aber schrittweise nähert man sich daran an, den komplexen Fall zu lösen. Im Zentrum der Machenschaften des ermordeten Radlers stand ein Geheimbund, bei dem sich maskierte Menschen zu Sexorgien treffen. Die Teilnehmer, oft hochrangige Beamte und Politiker, hat der Radler mit Fotos erpresst. Selbstredend, dass die beiden Beziehungsmüden bald auf einer solchen Orgie landen und dort dann ganz anders als geplant auffliegen.

Der Plot dieser Netflix-Produktion ist voller Wendungen, aber er ist nicht sonderlich originell. Die Trumpfkarte sind seine beiden Protagonisten, oder besser: deren Beziehung zueinander. Da wird nämlich der Beweis erbracht, dass einen anfalls- und schwallartiges Reden aus so manch vertrackter Situation retten kann. Wenn du nicht mehr weiterweißt, quassel dein Gegenüber einfach zu. Dumm ist, wer diesem Gebrabbel Raum gibt, denn man weiß ja aus der Lektion eins des Hollywood-Dramaturgieworkshops: Würden die Täter ihren Opfer vor dem Kopfschuss nicht so ewig lange Ansprachen halten, könnten sich diese viel seltener befreien.

Im Fall von "Die Turteltauben" wird dieser Spieß nun einmal umgedreht - und die Opfer quatschen ihre Angreifer zu. Natürlich nicht mit irgendwelchen Geschichten, sondern: Mit einem saftigen Streit über ihre Beziehung, was denn sonst? Schließlich gilt es auch im Moment des drohenden Todes, noch einmal reinen Tisch zu machen mit dem Partner, dessen Macken man schon lange nicht mehr erträgt.

Leilani und Jibran sind jedenfalls ein turbulent turtelndes Pärchen, das ganz unverhofft zum Handkuss kommt und die irrste Nacht seines Lebens wohl gleichsam auch als Paartherapie nutzen kann. "Die Turteltauben" ist dank der beiden ein nettes Abendvergnügen, mehr aber auch nicht. Immerhin lernt man: Ein fetter Streit kann einem dann und wann schon mal das Leben retten.