Mit dem Lockdown Mitte März mussten alle 29 Cineplexx- und Constantin-Kinos in Österreich quasi über Nacht ihre Pforten schließen - das Unternehmen, das in Österreich nicht zuletzt durch die Übernahme der drei ehemaligen UCI-Standorte im Vorjahr zum unangefochtenen Marktführer jenseits der 50 Prozent aufgestiegen ist, stand plötzlich gänzlich ohne Umsatz da. Hinzu kommt: Die Cineplexx-Gruppe ist längst nicht mehr nur in Österreich aktiv, sondern hat seit den frühen 2000er Jahren mit massiver Expansion auch Kinos in Südtirol, Kroatien, Serbien, Montenegro und Mazedonien eröffnet. Insgesamt betreibt man 44 Cineplexx-Mehrsaalkinos, sechs kleinere Häuser mit zusammen 303 Sälen in elf Ländern. Die 1500 Mitarbeiter hatten in den letzten Monaten allerdings kaum zu tun.

"Die letzten Wochen waren eine so noch nie dagewesene Herausforderung, die wir bis zur Wiedereröffnung gemeinsam als Team durchstehen. Jetzt geht es darum, sich auf das Wiederaufsperren zu konzentrieren - und darauf freuen wir uns alle", gibt sich Christian Langhammer, Chef der Kinogruppe, erleichtert.

Viele Details unklar

Nach der Ankündigung der Regierung, dass Kinos ab 1. Juli wieder öffnen dürfen, bereitet Langhammer zusammen mit seinem "Vize" Christof Papousek den Neustart vor. "Wir sind davon überzeugt, dass unsere Besucher zurück ins Kino kommen werden und die Kinoatmosphäre in unseren Standorten auch weiterhin sehr schätzen. Natürlich wird es eine gewisse Zeit brauchen, bis der Kinobesuch wieder zum Alltag gehört", so Papousek. Ist die Krise für den Kinomarktführer existenzbedrohend? "Ja, in der Tat", sagt Langhammer.

Von einem Vollbetrieb ab Juli kann nicht ausgegangen werden. Vorerst gilt eine Besucher-Begrenzung auf 250 Personen, erst ab August sollen es 500 sein. Viele Details sind noch unklar. "Es bleibt abzuwarten, welche offiziellen Auflagen für den laufenden Betrieb beschlossen werden", sagt Papousek. "Die Sicherheit der Mitarbeiter und der Besucher hat für uns höchste Priorität. Die Wiederöffnung bedarf einer gewissen Vorlaufzeit, um einerseits unsere Mitarbeiter auf die neuen Sicherheitsvorschriften einzustellen, andererseits um auch alle Service-Leistungen - vom Kassabetrieb bis zum Ticketsystem - anzupassen. Realistische Bedingungen, die nicht nur die Sicherheit der Gäste und der Mitarbeiter gewährleisten, sondern auch wirtschaftlich umsetzbar sind, sind äußerst wichtig".

Langhammer spielt indes auf die umfassenden Forderungen der Kinobranche an: "Grundsätzlich sind die Instrumente zur Unterstützung der Wirtschaft in Ordnung, nun ist aber rasche Auszahlung gefragt", so Langhammer. "Auch die Risikobeurteilung im Zusammenhang mit der Ausstellung von Staatsgarantien für Bridge-Finanzierungen muss rasch erfolgen, sonst kommt die Hilfe zu spät".

Der Cineplexx-Chef fordert noch andere Hilfen: "Ein Kinohilfspaket wäre dringend notwendig, damit könnte man rasch Kampagnen zur Wiedereröffnung finanzieren und auch die Zeit bis zur Auszahlung der staatlichen Wirtschaftshilfen überbrücken. Die Kinos sind nun seit über zwei Monaten geschlossen, das kann man nicht länger aushalten. Die von der ehemaligen Staatssekretärin Lunacek gewährte Kinohilfe für Programmkinos ist einseitig und wettbewerbsverzerrend. Da bekommt die ‚IG Programmkinos‘ klar den Vorzug, der Rest bleibt allein und diesbezüglich ohne Hilfe."