Die Architektur und die Kunst machen erst einmal Pause in Venedig - ihre Schauen im Rahmen der Biennale wurden auf 2021 verschoben - nicht aber das Filmfestival am Lido, das wie geplant von 2. bis 12. September stattfinden soll. Zumindest, wenn es nach Luca Zaia, dem regionalen Präsidenten von Venetien geht. Dieser ließ ausrichten, dass es dabei aber selbstredend zu Einschränkungen kommen werde. "Wahrscheinlich wird es nicht alle Produktionen wie üblich geben, denn einige Arbeiten für die Filme wurden wegen der Coronavirus-Epidemie unterbrochen. Das Festival wird jedoch nach Plan stattfinden", sagte Zaia, der im Aufsichtsrat des Filmfestivals sitzt, das heuer seine 77. Ausgabe begehen wird, erneut geleitet von Alberto Barbera.

Menschenaufläufe wieim Vorjahr wird es heuer in Venedig nicht geben. - © Katharina Sartena
Menschenaufläufe wieim Vorjahr wird es heuer in Venedig nicht geben. - © Katharina Sartena

Es darf bezweifelt werden, dass Zaias Einschätzung stimmt: Zwar wurden viele Dreharbeiten unterbrochen, jedoch ist das Spektrum an fertigen Filmen für Festivals jedenfalls breit: Immerhin ist mit dem Ausfall der Filmschau in Cannes jede Menge hochkarätiges Programm nun "herrenlos". In Cannes überlegt man, die ausgewählten, aber nicht gezeigten Filme dennoch mit dem Cannes-Label zu versehen, um später die Chancen bei deren Kinoauswertung zu erhöhen. Auch eine Festival-Reihe mit einigen dieser Titel im Programm von Venedig wird immer wieder ins Spiel gebracht, von Venedig bisher aber dementiert.

Noch Skepsis in der Filmbranche

In der Filmbranche regiert jedenfalls noch breite Skepsis, wie ein Filmfestival "mit Einschränkungen" funktionieren könnte. In den sozialen Medien kursieren dazu unterschiedliche Gerüchte. Auf dem Lido von Venedig müsste zuallererst das Publikum ausgesperrt werden, das Festival wäre nur Fachbesuchern zugänglich, und auch da nicht allen. Die Anzahl der Besucher soll strikt limitiert werden, ebenso wie die Anzahl der Filme, nach dem Motto "Weniger ist mehr". Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass nur die italienische Presse am Festival physisch wird teilnehmen dürfen, während die internationalen Journalisten mit einem Online-Zugang ausgestattet werden könnten, über den sie eine Auswahl der Filme daheim streamen könnten - natürlich nur, wenn die Rechteinhaber der Filme dem zustimmen.

Eine derart abgespeckte Version der Filmfestspiele von Venedig erscheint vielen eher mau: "Ich bin nicht überzeugt. Für einen internationalen Film-Launch braucht es auch die internationale Presse, sonst lohnt sich der Aufwand nicht", sagt der britische PR-Experte Charles McDonald, der seit Jahrzehnten Filme auf Festivals PR-technisch betreut. "Außerdem stellt sich die Frage, welche Stars dann wirklich anreisen, oder anreisen dürfen. Und im stets überfüllten Hotel Excelsior geht das mit der sozialen Distanz auch nicht sehr gut".

Alberto Barbera bezeichnete die kommende Filmschau indes als "Experiment", was an den Umständen liege. Auf ein physisches Festival verzichten, käme für Barbera jedenfalls nicht in Frage, auch, wenn die verschlankte Festival-Version am Ende auch bedeuten könnte, dass die roten Teppiche leer bleiben. Barbera rechne mit weniger US-Präsenz, dafür mit größerer europäischer Beteiligung, wie er in einem Interview mit der italienischen Nachrichtenagentur ANSA ausführte. Im Gegensatz dazu überlegt man beim zeitgleich stattfindenden Filmfestival von Toronto sehr wohl eine reine Online-Ausgabe, wie Journalisten berichten.