Wären Steve Carell und Greg Daniels vor zehn Jahren mit ihrer Idee zu einer Serie über die United States Space Force bei einem Sender angekommen, dann wäre diese schräge Nummer wohl als astreine Satire durchgegangen. Heute aber, wenn man bei Netflix die zehnteilige, erste Staffel von "Space Force" als Comedyserie anpreist, ist vieles von dem, was darin zu sehen ist, längst (traurige) Realität, so absurd, dass man es einfach komisch finden muss.

Es gab zum Start der Serie eine zeitliche Koinzidenz, die von einem Gagschreiber stammen könnte: Erst vor wenigen Tagen wurde im Weißen Haus die Flagge der Ende 2019 neu gegründeten Space Force, der Weltraumstreitkraft der USA, enthüllt: Sie zeigt im Prinzip das schlecht geklaute Logo der "Enterprise", und bei dieser Gelegenheit verkündete Trump auch gleich, was er mit der Space Force so alles vorhat. Zum Beispiel, Zitat: "Eine Super-Duper-Rakete" zu bauen. Zum Brüllen.

Da tut man sich als Comedian schwer, so etwas in einen Witz zu verwandeln. Vor allem, wenn der Persiflierte witziger ist als man selbst. Carell und Daniels haben dennoch eine Serie über die oftmals belächelte Space Force gedreht. Man kennt den Humor des Gespanns bereits von "The Office", beide ticken ähnlich, was gute Pointen angeht. Und so ist es zunächst erstaunlich kurzweilig, wenn das Autorenduo sich mit der Absurdität einer Weltraumarmee auseinandersetzt.

"Boobs on the Moon"

Es waren die Worte des aktuellen Potus (des "President of the United States"), die da via Twitter die Richtung vorgaben (Trump wird namentlich nicht erwähnt): Es möge bis 2024 endlich Truppen auf dem Mond geben, "Boots on the Moon", wie das im Original heißt. Getwittert hat der Potus allerdings "Boobs on the Moon" (Titten auf dem Mond), aber seine Mitarbeiter tun das als Tippfehler ab.

Ab hier ist klar: "Space Force" ist eine Abrechnung mit der absurdesten Präsidentschaft, die es in den USA je gegeben hat, mit einem prahlerischen Egomanen an der Spitze, der statt einem Colt lieber das Twitter-Handy zieht; allein: So richtig ernst nimmt ihn niemand, und darin liegt seine Stärke (und die Gefahr für das Land).

Steve Carell spiegelt diesen Potus in gewisser Weise innerhalb der Serie, denn er gelangt als General Naird zunächst recht unvermittelt auf den Chefposten dieser Weltraumarmee - dabei wäre der Pilot lieber der Air Force vorgestanden. Weil die Space Force niemand so recht ernst nimmt, gilt der Job auch als Schleudersitz, doch der Umzug von Washington nach Colorado in die geheime Zentrale der Space Force ist auch so etwas wie ein Neubeginn für Naird. Schon nach einem Jahr soll er zeigen, was die Force kann, und er lässt testweise eine Rakete steigen. Das Teil explodiert noch in Bodennähe. Wie viel Geld hat das gekostet, will Naird wissen. "Vier Mittelschulen", seufzt sein Assistent.

Nairds trumphafte Züge verdichten sich, als er beim Start einer Rakete, die einen Satelliten ins All schießen soll, auf das vehemente Abraten seines wissenschaftlichen Beraters, den Start durchzuführen, partout nicht hören will. Dieser, gespielt von einem in seiner zeitlupenartigen Nonchalance kaum zu schlagenden Johann Malkovich, mahnt, die Luftfeuchtigkeit an diesem Tag sei zu hoch. Doch Naird geht - wie Trump in ähnlichen Situationen - auf volles Risiko, und gewinnt. Der Start klappt, es ist das Glück des Anfängers, das hatte Trump auch einmal.

Aber die Katastrophe folgt auf dem Fuß, und hier zeigt sich, wie außergewöhnlich diese Serie hätte sein können, führte sie nur ständig dieses Level an Skurrilität und ekstatischer Absurdität fort. Bei einer Reparatur im All wird mangels Alternativen auf einen Affen als Helfer gesetzt. Dieser sitzt zusammen mit einem Hund in einer Raumkapsel, die der Potus ins All schießen ließ, um darin das Funktionieren von Sturmgewehren im All zu beweisen. Die Tiere waren nur mit, damit es ein paar schöne Fotos für die PR-Abteilung gibt. Der Waffenhersteller wirbt seither mit dem Slogan: "Even works in Space". Das ist alles so Trump.

Besagter Affe soll dann einen Weltallspaziergang machen, was natürlich schiefgeht. Szenen wie diese verdeutlichen die Absurdität dieser realen Behörde.

"Space Force" hat nichts von einer Sitcom, auch, wenn das die bloß halbstündigen Episoden vermuten ließen. Es mischt sich dann doch auch relativ viel Drama in die Komödie. Aber so ist eben das Leben: Viele der Dinge, die sich mächtige Menschen ausdenken, haben eben ernste Hintergründe und das reflektiert diese Serie sehr schön. Vielleicht findet sie der Potus ja auch "Super-Duper".