Ein High-School-Basketball-Spiel in dem 492-Seelen-Dorf Cayuga, inmitten der Wüsten von New Mexico. Es ist Abend, das ganze Dorf ist versammelt, es ist das erste Spiel der Saison. Nur Everett (Jake Horowitz) und Fay (Sierra McCormick) sind nicht dabei, denn sie haben andere Pflichten: Er als Moderator der örtlichen Radiostation, sie als Telefonistin, die Anrufe verbindet. Die Zeit: Die 1950er Jahre.

Beide sind zusammen auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen, plaudern über die Zukunft, halten elektrische Fahrbahnen für Autos und das Reisen in einer Vakuum-Kapsel ab 1990 für möglich, glauben aber nicht an die Erfindung mobiler Telefonie. Dann machen sie eine beunruhigende Entdeckung: eine seltsame Tonfrequenz hat sich in ihre Netze eingeschlichen, keiner weiß, woher der Sound kommt. Aber bald schon wird den beiden klar, dass das Leben in Cayuga nach dieser Nacht ein anderes sein wird. Die beiden wollen dem Geräusch auf den Grund gehen und stoßen dabei auf unbekanntes Terrain vor, das - erraten - auch Aliens beinhaltet.

"The Vast of Night", Gewinner des Publikumspreises beim Slamdance Festival und danach von Amazon Prime Video gekauft, ist ein No-Budget-Film des Regie-Neulings Andrew Patterson. Der hat mit viel kreativer Energie und mangels Budget einen Science-Fiction-Film ohne Special Effects gedreht. Es geht um den Outer Space, aber dafür wirkt hier alles ziemlich geerdet. Eingerahmt in eine Episode der fiktiven TV-Show "Paradox Theater" referenziert "The Vast of Night" zahlreiche popkulturelle Phänomene der 1950er Jahre, die voll waren mit Sci-Fi und Alien-Invasions - in Comics ebenso wie in populären TV-Serien und Kinofilmen. Doch der Film verfällt nie in eine 50’s-Nostalgia, sondern bleibt trotz seines B-Movie-Plots so bodenständig wie möglich. Die Handlung nimmt Fahrt auf, als Patterson seine Telefonistin Fay für eine über zehnminütige, ungeschnittene Sequenz in ihrem Telefonhäuschen dabei beobachtet, wie sie Verbindungen herstellt und trennt, stets hellwach spekulierend über die seltsame Frequenz, die da irgendwo in der Leitung ist. Patterson schneidet dann umso schneller, als er zu Everett in den Radiosender wechselt, wo ein ominöser Anrufer von mysteriösen Vorfällen erzählen. Aber diesem Anrufer glaubt man nicht, in den 1950ern, denn er ist schwarz. Der Wechsel zurück nach draußen in einer atemberaubenden Kamerafahrt, die scheinbar ungeschnitten mehrere halsbrecherische Bewegungen vollführt, um vom Telefonhäuschen zum Basketball-Halle und zurück zu kreisen, dürfte dem Kameramann Miguel I. Littin-Menz eine Karriere in Hollywood ermöglichen. Mit viel Budget.

Regisseur Patterson hat sich den Film übrigens selbst finanziert, durch Werbeclips für sein Lieblings-NBA-Team. Auch Patterson hat mit seinem ambitionierten Debüt neue Türen für ein No-Budget-Independet-Kino aufgestoßen. Es ist ein Kino, frei von Sentimentalität, von Effekten und von Show. Es ist ein Kino, voll von Tatendrang, Phantasie und dem Wunsch, die Kinomagie keinem Budget unterwerfen zu müssen.