Dass in den USA die Mülltonnen brennen, die Straßen voller Demonstranten sind und die Fensterscheiben bersten, dafür braucht man dieser Tage nicht Netflix aufdrehen, sondern bloß CNN. Dennoch präsentiert sich das US-amerikanische Habitat derzeit auch im fiktionalen Bereich jenseits von Gut und Böse. Im Film "The Last Days of American Crime" ("Die letzten Tage amerikanischer Verbrechen") zum Beispiel. Dort walzt der Luc-Besson-erfahrene Regisseur Olivier Megaton auf endlos langen zweieinhalb Stunden eine Apokalypse aus, die den jetzigen "Riots" auf den Straßen in nichts nachsteht. Allein: Ein zeitgemäßer Stoff und eine hochkarätige Besetzung machen noch lange keinen guten Film.

Alles dreht sich um ein kaum hörbares Signal, an dem die US-Regierung geforscht hat: Einmal aktiviert, soll es beim Menschen bestimmte Rezeptoren im Gehirn blockieren und dafür sorgen, dass die Menschen keine Gesetzesbrüche begehen. Will heißen: Zum Stichtag wird ganz Amerika verbrechensfrei sein. An sich schon eine spannende Ausgangslage.

Klar ist aber auch, dass verschiedene Leute hierbei auf das ganz große Geld hoffen, sonst wäre es ja nicht Amerika. Graham Bricke (Edgar Ramierez) soll für Kevin Cash (Michael Pitt) und seine Freundin Shelby Dupree (Anna Brewster) der Mann fürs Grobe sein: Genau an dem Tag, an dem das Signal landesweit angeschaltet wird, will man einen Mega-Coup in der Geldscheinfabrik landen und eine Milliarde Dollar stehlen. Das geht, weil Shelby eine Hackerin ist und das Signal in diesem Bereich kurz deaktivieren kann. Dann will das Trio nach Kanada rübermachen und das Geld ausgeben. So weit, so simpel.

Wild-West-Mentalität

Der Film, der voller Straßenschlachten und Polizeigewalt ist, kommt zu einem relativ unglücklichen Zeitpunkt auf den Streaming-Markt. Aber die Wild-West-Mentalität dieses Volkes ist eben schwer zu unterdrücken, darauf nimmt "The Last Days of American Crime" immerfort Bezug. Die Regierung spielt mit dem Signal Gott mit den Gehirnen ihres Volkes, allerorts sieht man Schilder, die "A New Order" verhießen, etwas, das Trump gefallen dürfte. Im Dreiecksspiel zwischen Bricke, Shelby und Kevin (Michael Pitt sieht darin wirklich aus wie die erwachsene Langhaarversion des kleinen "Kevin allein zu Haus") kracht es auch gewaltig, weil Shelby sich zum Kennenlernen mit Bricke erst einmal auf ein WC zum Steh-Sex verzieht, was Folgen haben wird. Bei Bricke, dem grobschlächtigen Kämpfer, sieht selbst Sex wie eine Straßenschlacht aus, aber das wird sich im Verlauf des Films wandeln. Schließlich steckt in jedem eine zarte Seite, und die macht einen meist erpressbar. Shelby ist hier als wilde Zitatensammlung angelegt, was aber daneben geht: Öfter halbnackt, erinnert sie ein bisschen an Uma Thurman in "Pulp Fiction", ein bisschen an Juliette Lewis in "Natural Born Killers", und neben "Lola rennt" und der Frisur von Natalie Portman aus "Leon, der Profi" schaut sie oft drein wie eine Terminatrix. Man hat ordentlich geklaut für diese Filmfigur.

Olivier Megaton packt all das in eine endlose Aneinanderreihung von Eskalationen, aufgewürzt mit jeder Menge blöden Sprüchen, deftigen Klischees und überholten Männer- und Frauenbildern. Man könnte meinen: Die Adaption einer Graphic-Novel muss eben maßlos übertreiben, um ihrer Vorlage gerecht zu werden. Angesichts dieser filmischen Katastrophe könnte man aber auch sagen: Jedes Land bekommt die Filme, die es verdient.