Als das Zürcher Luxushotel Baur au Lac am 27. Mai 2015 von der Polizei gestürmt wurde, wanderten zahlreiche hochrangige Funktionäre des Weltfußballverbandes hinter Gitter. Ihnen wurde Bestechung und Geldwäsche vorgeworfen, und das nicht bloß in einem Fall. Das korrupte Fifa-System war enttarnt worden, die Ära des damaligen Verbandspräsidenten Joseph Blatter Geschichte.

Wie es zu dieser Aktion kam, erzählt die Amazon-Serie "El Presidente" in acht Folgen nach. Ersonnen vom oscarprämierten argentinischen Drehbuchautor und Regisseur Armando Bo ("Birdman") lässt die Serie tief blicken hinter die Kulissen des globalen Fußballgeschäfts, wo man mit TV-Übertragungsrechten Millionen scheffeln kann und wo sich die Verbandspräsidenten der nationalen Clubs in Hinterzimmern versammeln wie die Mafia in ihren besten Tagen: Ältere, sonore Herren sitzen im Kreis in grünen Plüsch-Fauteuils, rauchen Zigarre und trinken Brandy. Die Deals werden mit dem Vokabular der Mafia besiegelt. "Entweder wir essen alle. Oder keiner", heißt es da. So geht Fußball.

Glück im Unglück

Aber bis es soweit ist, führt die Serie erst einmal ihre Hauptfigur ein: Sergio Jadue (hervorragend besetzt: Andrés Parra) ist eigentlich das Gegenteil von charismatisch. Bauchansatz, eine hohe Stirn bis zum Hinterkopf, etwas linkisch. Und doch gelingt ihm als Präsident des chilenischen Provinzclubs La Calera eine Sensation: Er steigt mit der Mannschaft in die erste Liga auf, etwas, das keiner für möglich gehalten hatte. Nicht aber, ohne im entscheidenden Spiel zunächst die Mannschaft einzuschwören, die eigentlich nicht spielen will, weil die Gehälter nicht überwiesen worden sind. Erst nach dem Versprechen, sofort zu zahlen, spielen sie - und gewinnen.

Nicht nötig zu erwähnen, dass Jadue nicht zahlt - und bald vor dem Club in seinem wackeligen, alten Suzuki flüchten muss. Doch er hat Glück im Unglück. Weil er mit 31 der jüngste Erstliga-Präsident Chiles ist und man beim nationalen Dachverband ANFP einen unverbrauchten und auch naiven Mann sucht, der unangenehme Entscheidungen trifft, wird der Neuling auch noch zum Chef dieses Verbandes. Vom Suzuki in den Benz in weniger als einer Halbzeit.

Jadue und seine luxusaffine Frau Nené (Paulina Geiten) kommen schnell auf den Geschmack des lockenden Fifa-Lifestyles, und Jadue wird sich bald in der Situation sehen, Schmiergelder für die Vergabe von TV-Rechten anzunehmen. Eine FBI-Agentin wird vorstellig und will ihn überzeugen, sich mit einem Mikrofon ausrüsten zu lassen, um die Fifa zu bespitzeln.

Ein Toter erzählt

Es sind famose acht Folgen, die ihr Vergnügen vor allem daraus speisen, dass Jadue als Charakter so unglaublich tölpelhaft und bauernschlau zugleich agiert; spaßig ist auch der Umstand, dass die Serie von einem Toten erzählt wird: Der 2014 verstorbenene argentinische Verbandspräsident Julio Grondona (Luis Margani) kann frei von der Leber weg plaudern - und niemand ist da, um ihn zu kritisieren. Die Macher der Serie ersparen sich so unangenehme Rechtfertigungen bei den Anschuldigungen, die die Serie gegenüber der Fifa aufwirft - und können umso respektloser auspacken.

"El Presidente" macht bis zur letzten Minute Spaß; König Fußball regiert zwar nachher weiter, aber die sonoren Herren sitzen nun mit der Fußfessel in ihren Fauteuils. Es ist doch nur ein Spiel, könnte man sagen. Aber: Es hat wohl Gründe, warum man hinter die Kulissen nicht blicken soll. In der Kabine bei der Halbzeitpause sind ja auch keine Kameras dabei.