Nein, "Das Vorspiel" hat nichts mit Sex zu tun, sondern es geht um das Vorspielen junger Eleven in einem Musikgymnasium, aber dennoch gehört da wie dort Leidenschaft dazu. Oder, wie es die Musiklehrerin Anna (Nina Hoss) einmal formuliert: Du musst es von innen spüren, dann kommen die Noten ganz von selbst.

Anna sagt das zu einem neuen Schüler, den sie gegen den Willen der Lehrerschaft aufnehmen will: Alexander (Ilja Monti) ist ein Talent, da ist sich Anna sicher, er braucht nur die richtige Lenkung. Aber um diesen Rohdiamanten zu schleifen, muss Anna viel Zeit und auch - Leidenschaft investieren, was zu Lasten ihrer Familie geht: Ehemann Philippe (Simon Abkarian), ein Geigenbauer, und ihr zehnjähriger, ebenfalls geigenspielender Sohn (Serafin Mishiev) leiden darunter. Und auch Anna leidet: Sie versucht, wieder als Ensemblemitglied eines Quartetts aufzutreten, etwas, das sie vor langer Zeit aufgegeben hat.

Ein kleiner Einblick in die Welt der Klassik, den Regisseurin Ina Weisse mit "Das Vorspiel" liefert, und dieser Einblick ist nicht inakkurat - auch dank des natürlichen Spiels aller Protagonisten. Und Nina Hoss ist großartig in ihrer Reduziertheit. Trotzdem krankt es am Drehbuch, vieles wirkt konstruiert und manches geht dramaturgisch ins Leere. Außerdem hat man das Setting schon recht brillant in Hanekes "Klavierspielerin" kennengelernt, wenn auch unter ganz anderen Vorzeichen. Doch ganz so anders ist vieles hier nicht: Waren es bei Haneke die Scherben in der Jackentasche, so versucht hier Annas Vater, dem Enkelsohn die Geigenhand abspenstig zu machen, und taucht sie in einen Ameisenhaufen. Detailversessen ist man auch: Der Geigerfleck sitzt bei Hoss an der richtigen Stelle. Sonst gibt es noch: Romantik beim Gefüllten-Hendl-Zunähen, deutsch-französische Küchengespräche Marke Bourgeoisie, Nudeln mit Gorgonzolasauce und die Erkenntnis: Üben, üben, üben.