Eigentlich ist Maggie (Dakota Johnson) ja ganz beseelt von Musik. Nicht von Pop oder Synthie-Klängen, nein, von echter Musik mit warmem Sound und Soul-Stimmen, die das Herz erobern. Platten aus den 1970er Jahren von vorwiegend schwarzen Künstlern gehören daher zu ihren Lieblingsstücken. Mit den seelenlosen Beats aus den Studios vermeintlicher Top-Produzenten braucht man ihr gar nicht erst zu kommen. Maggie träumt davon, einmal selbst Musikproduzentin zu werden, ein Beruf, der immer noch stark männlich dominiert ist.

Doch Maggie ist nicht in der Position, ihre Träume umzusetzen. Denn als persönliche Assistentin der Popdiva Grace Davis (Tracee Ellis Ross) hat sie mehr damit zu tun, für ihre Arbeitgeberin 5000-Dollar-Kleider auszumustern oder deren Stimmung zu verbessern. Denn Grace Davis ist zwar ein Superstar, aber auch die sind von Leiden geplagt: "Ich bin über 40 und schwarz. Weißt du, wie viel Popstars es gibt, die solche Voraussetzungen haben?", faucht Grace Maggie einmal an, weil diese ihr sagt, sie möge doch nach einem Jahrzehnt ohne neue Platte endlich neues Material aufnehmen. Stattdessen hat Graces Manager (Ice Cube) ganz andere Pläne für sie: Als Artist in Residence soll sie nach Las Vegas ziehen und dort im Caesars Palace jeden Abend eine Show spielen. Die Gage ist verlockend, aber die Tatsache, dass dies für die meisten Popstars sozusagen die Endstation ist, wenn es für Nummer-1-Hits nicht mehr reicht, lässt Grace zweifeln. Dumm, dass sie nicht auf die naive, zu ihr aufsehende Maggie hört.

Maggie wiederum sieht sich auch anderweitig um: Sie lernt einen jungen schwarzen Musiker kennen, der auf den Parkplätzen vor Supermärkten spielt, und entdeckt in ihm großes Potenzial. Vielleicht gelingt es ja, mit ihm die Karriere einer Musikproduzentin zu starten. Am Ende aber wartet in dieser Angelegenheit noch eine Riesenüberraschung.

Die aus Kanada stammende TV-Regisseurin Nisha Ganatra legt mit "The Higher Note" ihr Kinodebüt vor, doch Universal Pictures veröffentlicht den Film zeitgleich auch bei Amazon und anderen Streamingdiensten - ein Versuch, eine Alternative für die coronabedingte Kino-Skepsis zu bieten. Ganatra gelingt, auch dank des zwar recht konventionell, aber gefällig konstruierten Drehbuchs von Flora Greeson, ein scheinbar stimmiger Einblick in die Welt eines reichen Popstars, der seine Allüren über die Jahre vor allem deshalb aufbaut, um sich selbst vor dieser Branche zu schützen, die in vielen Fällen Existenzen zerstört hat. Aber Ganatra hält sich wenig mit den Schattenseiten des Musikgeschäfts auf, auch, wenn diese der Anlass für ihre Geschichte sind. Vielmehr legt sie den Fokus auf eine träumerische, hoffnungsvolle und unbegrenzte Liebe zur Musik, deretwegen man sich diese Branche überhaupt antut. Selbstredend für ein Hollywood-Drehbuch, dass es am Ende eben jene Musik ist, die für viel Rührung sorgt.

Tracee Ellis Ross spielt Grace Davis mit viel Abgebrühtheit, lässt aber merken, dass das musikalische Feuer in ihr nicht verloschen ist. Tatsächlich ist Dakota Johnson als leichtgläubiger, aber hartnäckiger Frischling im Business die Überraschung des Films: Bisher nur durch ihre schwachen Auftritte in "Fifty Shakes of Grey" in Erinnerung, kann sie zeigen, dass Sinnlichkeit keine nackten Körper braucht, sondern nur eine gute Schallplatte auf dem Drehteller.