Das Lachen war sein Metier. Carl Reiner, 1922 als Sohn österreichischer Einwanderer in New York geboren, ist am Montag 98-jährig in seinem Haus in Beverly Hills gestorben. Er gilt als der Urheber der Sitcom "The Dick van Dyke Show", zu der er die Idee hatte und in der er auch selbst mitwirkte, neben Dick van Dyke und Mary Tyler Moore. Das war in den 1960er Jahren, aber die Karriere dieses Show-Talents ging bis ins hohe Alter weiter: So war er unter anderem auch in den "Ocean’s"-Filmen an der Seite von George Clooney zu sehen.

Nur drei Tage vor seinem Tod am Montag hatte Reiner sich auf seinem Twitter-Account für sein erfülltes Leben bedankt. "Ich hatte das beste Leben, das überhaupt möglich ist, indem ich die begabte Estelle Lebst geheiratet habe, mit der ich gemeinsam Rob, Annie & Lucas Reiner in diese Welt gebracht habe". Eine Vorahnung von Abschied schwang da mit, wenngleich der nachfolgende Post am nächsten Tag sich eher nicht danach anhörte, als hätte Carl Reiner vor, die Welt schon zu verlassen: Darin wetterte er gegen den "von Russland installierten Marionetten-Präsidenten" Trump, dem "jede Qualifikation für ein Staatsamt in der zivilisierten Welt" fehle.

Bis ganz zum Schluss war Reiner auch vor der Kamera aktiv, etwa in einer TV-Reihe, die die 60er Revue passieren ließ und die am Tag vor seinem Tod ausgestrahlt wurde. Auf YouTube führte er während der Covid-Quarantäne ein Tagebuch, in dem er sich an sein langes Leben erinnerte - und großen Humor bewies: "Am stolzesten bin ich darauf, die ‚Dick van Dyke‘-Show erfunden zu haben und auch darauf, Mel Brooks darüber informiert zu haben, dass er 2000 Jahre alt ist und alles weiß".

Intimus von Mel Brooks

Mit Mel Brooks verband Reiner eine lange Freundschaft, er lernte ihn nach dem Krieg kennen, als er am Broadway erste Erfahrungen sammelte und die TV-Serie "Your Show of Shows" produzierte. Mit Brooks produzierte Reiner fünf Schallplatten um den "2000 Year Old Man", eine klassische Comedy-Sketch-Reihe, bei der Reiner auf der Bühne im Stil einer Doppelconférence den 2000 Jahre alten Brooks interviewte. Daraus entstanden viele komische Wortwitze, die durchaus an die Conférencen von Farkas und Waldbrunn erinnern, nur eben auf Amerikanisch.

Der Erfolg der "Dick van Dyke Show" ab 1961 ließ Reiners Ruf als Schauspieler, Komödiant und - inzwischen auch - Regisseur bis in die Hollywood-Studios gelangen. 1967 gab Reiner mit der Verfilmung seines eigenen Bühnenstücks "Enter Laughing" sein Debüt als Filmregisseur. Später drehte er Kinofilme wie "Eine total, total verrückte Welt" (1963) oder "Die Russen kommen! Die Russen kommen" (1966). Große Erfolge feierte er unter anderem mit "Oh Gott..." (1977), "Reichtum ist keine Schande" (1979) und "Tote tragen keine Karos" (1982), die beiden Letztgenannten wurden für Hauptdarsteller Steve Martin zum Karriereturbo. Eine spätere Arbeit, eine Persiflage auf "Basic Instinct", getauft "Fatal Instinct" (1993), wurde weniger erfolgreich.

Als Meister der Komödie bezog Reiner seine Bonmots oft auch aus aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen, weshalb er das US-Politgeschehen auch bis zum Schluss kommentierte. Für seinen Sohn, den Regisseur Rob Reiner, der unter anderem Filme wie "Harry und Sally" (1989) oder "Eine Frage der Ehre" (1992), aber auch die Heavy-Metal-Mockumentary "This Is Spinal Tap" (1984) drehte, war Carl Reiner außerdem ein lebenslanger Begleiter durch Privatleben und Beruf. "Letzte Nacht ist mein Vater gestorben. Während ich das schreibe, schmerzt mein Herz", twitterte Rob Reiner. "Denn mein Vater war mein Wegweiser."