Wer denkt, das Autokino ist nur zum Knutschen für Verliebte ideal, der irrt gewaltig. Die Renaissance, die die Corona-Krise dem bereits ausgestorbenen Autokino beschert hat, treibt österreichweit viele Blüten. Eine davon wird in diesem Sommer das wiedereröffnete Autokino Wien in Groß-Enzersdorf auch zum Treffpunkt von Filmkunst-Liebhabern und Cineasten machen: Dort werden an jedem Montag zwischen 6. Juli und 7. September von 20 Uhr bis Mitternacht aufwendig kuratierte Sonderprogramme gezeigt, die man in einem Autokino eher nicht vermuten würde. "Frames Off Set" heißt die Veranstaltungsreihe, die ein etwas anderes Autokino garantieren will. "Lass dich inspirieren - Frame by frame" tönt es im Vorschau-Trailer. Die Spezialprogramme verstehen sich auch als Ort der Vernetzung mit Filmschaffenden, Produktionsfirmen, anderen Filmfestivals, organisiert und zusammengestellt von der Organisation frames.network.

Der Auftakt am kommenden Montag um 20 Uhr findet in Kooperation mit dem Filmfestival Diagonale statt, das heuer coronabedingt ausgefallen ist. Gezeigt wird als exklusive Autokino-Preview der Episodenfilm "Lovecut" von Iliana Estañol und Johanna Lietha, der ursprünglich im Rahmen des Festivals im März gelaufen wäre. Sex-Tapes und Skype-Dates, Clubnächte und Abendessen mit den Eltern - davor werden Musikvideos von Klitklique, HVOB und Wanda gezeigt. "Wir wollen eine hochkarätig kuratierte Veranstaltungsreihe samt Online-Plattform sein, die Filmschaffenden und -interessierten ein Forum des gegenseitigen Austausches bietet", heißt es von den Veranstaltern. "‚Frames Off Set‘ setzt sich zum Ziel, auch in Zeiten des Social Distancing eine Möglichkeit zu bieten, in der Film- und Musikbranche produktiv zu sein."

Mit einer simplen Filmvorführung ist es für die Organisatoren dabei nicht getan: "Der Programmbogen erstreckt sich von exklusiven Previews, Premieren, zahlreichen international preisgekrönten österreichischen Spiel- und Kurzfilmen des letzten Jahres über Musikvideos bis hin zu neuen Social Media-Videoformaten", so die Veranstalter. "Umrahmt werden die Abende von DJ Line-ups und Diskussionen mit Filmschaffenden. Die Zusammenarbeit mit bekannten Playern aus der Film- und Videobranche bringt sowohl renommierte Künstler als auch aufstrebende Nachwuchstalente ins Autokino Wien."

Überraschungsfilm

Entsprechend gestaltet sich auch das Programm: Am 13. Juli steht der Flugzeug-Entführungsthriller "7500" von Patrick Vollrath auf dem Programm, der fast ausschließlich im Cockpit spielt. Der Regisseur wird anwesend sein. Am 20. Juli steht die Premiere von "Nightshift" von Fabian Krempus an. Dabei handelt es sich um die erste Serien-Eigenproduktion des Streaming-Dienstes A1 Now. In der Woche darauf stehen die Brüder Arman und Arash T. Riahi im Mittelpunkt. Die Culture-Clash-Komödie "Die Migrantigen" bildet den Rahmen, außerdem wartet ein Überraschungsfilm des Duos. Zu den Highlights im August gehört ein Abend mit Veronika Franz und Severin Fiala und ihrem US-Horrorfilm "The Lodge" (3. August) sowie ein Schwerpunkt mit einer Auswahl internationaler Action-Sport-Kurzfilme (31. August). Den Abschluss bilden am 7. September prämierte Kurzfilme, präsentiert von Cinema Next, einer Organisation, die sich dem jungen österreichischen Nachwuchsfilmschaffen verschrieben hat.

Auch über die Filmfestwochen hinaus soll der Dialog zwischen Publikum und Filmemachern weitergehen, wünschen sich die Veranstalter. "Im Sinne der Nachhaltigkeit etabliert frames.network parallel zu seinen Filmfestwochen eine gleichnamige Online-Plattform für arrivierte und junge Filmemacher und ihre Projekte. Viele Inhalte werden mit den präsentierten Werken und Themen der Eventreihe eng verwoben sein - aber auch darüber hinausgehen", heißt es da. Gut, dass die Kulturszene trotz Corona wieder so aktiv werden kann.