Gerade haben die Rolling Stones mit gefühlten 500 Jahren Bandgeschichte ein erfrischendes Corona-Lied in den Charts, "Ghost Town" heißt es, und man denkt: Wieso klingen die immer noch so gut? Wahrscheinlich ist die Antwort schlicht: Leidenschaft, und die hat auch Stones-Gitarrist Ronnie Wood, seit 1975 bei den Stones als Nachfolger von Nick Taylor. Der schwarzhaarige Musiker, der seine Frisur seit den 70ern nicht verändert hat, spielte zunächst bei der Jeff Beck Group und bei Faces, ehe er in den Rang eines Stones befördert wurde.

Ron Wood. - © Polyfilm
Ron Wood. - © Polyfilm

Eine Doku über ihn, die die Stones bis auf ein paar Interview-Sager von Jagger, Richards und Watts nur streift, hat Regisseur Mike Figgis nun über Wood gedreht: Es geht darin um Musik, ja, und auch um die Kombination von Musik mit Drogen und viel, viel Alkohol, denn das ist der Lebenskampf, denn Ronnie Wood seit jeher ausficht: Der Vater ein Säufer, die Brüder auch, was soll der gute Ron dann machen?

"Er wollte ja nüchtern sein, aber es fiel ihm verdammt schwer", erzählt Mick Jagger von der Phase, in der Wood endlich clean wurde (und es bis heute ist). "Die Drogen hatten viel mit den Ritualen des Musikmachens zu tun. Da musste ich durch", sagt Ronnie Wood - und hat dann nicht nur ein paar coole Rocknummern feilzubieten, sondern auch andere Geschichten über das Älterwerden und ein Leben, in dem er keine Konsequenzen bedacht hat, niemals. "Wenn ich an eine gefährliche Straße kam, wählte ich immer die Gefahr", erzählt Wood, und da ist schon auch gewaltig Mythenbildung involviert. Aber inmitten der eher uninspiriert geschilderten Interviews in steifer Talking-Heads-Manier wird auch klar, wofür dieser Mann lebt: "Man hat mir die halbe Lunge herausgeschnitten, ich hatte 54 Jahre geraucht. Jetzt geht es weiter". Steine, die einmal ins Rollen geraten sind, sind schwer zu stoppen.