"Er war ein bisschen pervers. Aber das bin ich auch", sagt Grace Jones in "Helmut Newton: The Bad And the Beautiful". Die Doku bringt Newtons fotografisches Werk auf den Punkt - und stellt es in einen Kontext, der zeitgemäß ist. Seit dem Aufkommen der #metoo-Bewegung sind Fotos von Künstlern wie Newton (1920-2004) nicht mehr überall gern gesehen: Das transportierte Frauenbild sei zu gestrig, meinen Kritiker. Dokumentarfilmer Gero von Boehm stellt sich dem entschieden entgegen. Sein Film, in dem nur Frauen zu Wort kommen, die Newton durchwegs heiligsprechen, will gegen die Verunglimpfung von Kunst im Schatten aktueller gesellschaftlicher Umbrüche auftreten.

Newtons Stil, viel Nacktheit, viel Klischee in kontrastreiche Bilder zu packen, die der Ästhetik von Leni Riefenstahls "Olympia" nacheiferten, war bahnbrechend in der Modewelt und revolutionierte die Modefotografie. Newtons Karriere als Modefotograf fiel in die Ära der Topmodels, von Cindy Crawford bis Claudia Schiffer. Oder, man könnte den Spieß auch umdrehen: Diese Models sind nur deshalb Ikonen der Modewelt geworden, weil es Fotografen wie Newton gab, die Körper in einer nie gekannten Sinnlichkeit ablichten konnten.

Der Film eröffnet dank alter Aufnahmen von 2002 auch einen Einblick ins Private des Berliners mit jüdischen Wurzeln und seiner Ehefrau June. Und dort sagte er gerne: "Ich fotografiere, was ich will. Niemand macht mir Vorschriften". Eine Ausnahme-Karriere wie seine wäre in heutigen Tagen dennoch nur mehr schwer vorstellbar.