Sie gewann zwei Oscars, zwei Golden Globes, spielte in einigen der größten Klassiker der Filmgeschichte mit und war ein Weltstar. Die größte Leistung aber, das hat Olivia de Havilland selbst gesagt, ist ihr hohes Alter gewesen: Mit 104 Jahren ist die Hollywood-Diva am Sonntag in ihrem Haus in Paris gestorben, und als Nachhall bleibt ein Satz in Erinnerung, der da hieß: "Die Vorstellung, ein ganzes Jahrhundert zu leben, gefällt mir sehr. Stellen Sie sich das einmal vor. Was für eine Leistung!" Das gab sie kurz vor ihrem 100. Geburtstag dem Magazin "Entertainment Weekly" zu Protokoll.

Olivia de Havilland hat sie alle überlebt, ihre Filmpartner. Zum Beispiel jene aus "Vom Winde verweht", dem kürzlich wegen Rassismus in die Schusslinie geratenen Südstaatendrama, das 1939 entstand und in dem de Havilland die tugendhafte Melanie Hamilton spielte: Clark Gable alias Rhett Butler starb 1960 im Alter von 59, Viviana Leigh alias Scarlett O’Hara, gestorben 1967, wurde nur 53.

Es gibt wenige, die bis vor kurzem so intensiv von den goldenen Jahren in Hollywood berichten konnten, der letzte, Kirk Douglas, ist Anfang Februar gestorben. Olivia de Havilland war zwar bei vielen Kino-Meilensteinen dabei, hat Hollywood als Ort von Tratsch und Klatsch aber schnell den Rücken gekehrt. Das lag vor allem an ihrem zweiten Ehemann, dem französischen Autor Pierre Galante, dem sie 1955 nach Paris folgte. Mit dem Getuschel in Tinseltown hatte de Havilland nichts am Hut, sie wollte sich nicht in die Niederungen der Neidgesellschaft begeben.

Frühe Abkehr von Hollywood

Der frühe Exodus folgte auf eine Zeit, in der die Schauspielerin alles erreicht hatte, was es zu erreichen gibt: Die 1916 in Tokio als Tochter britischer Eltern zur Welt gekommene de Havilland übersiedelte schon im Kindesalter nach Kalifornien. Als 19-Jährige wurde sie von Max Reinhardt in dessen einziger US-Regiearbeit "Sommernachtstraum" (1935) besetzt. Das Studio Warner Bros. witterte ihr Starpotenzial und nahm sie für sieben Jahre unter Vertrag, um sie an der Seite von Errol Flynn groß herauszubringen - mit ihm drehte sie acht Filme, darunter den frühen Farbfilm "Robin Hood" (1938).

"Vom Winde verweht" barg eine bittere Enttäuschung für de Havilland: Der Film erhielt acht Oscars, nur sie wurde in der Kategorie "Beste Nebendarstellerin" von Hattie McDaniel, der ersten schwarzen Oscarpreisträgerin, geschlagen. 1946 klappte es dann mit dem ersten Hauptrollen-Oscar für "To Each His Own", 1949 folgte der zweite für William Wylers "The Heiress". Da stand Olivia de Havilland mit Hollywood schon auf Kriegsfuß, was auch am lebenslangen Streit zwischen ihr und ihrer Schwester Joan Fontaine gelegen sein mag: Nach deren Aussagen konnten sich die Schwestern schon als Kinder kaum ausstehen, der Höhepunkt war dann die Oscarverleihung 1942, als beide nominiert waren, aber Fontaine für Hitchcocks "Verdacht" gewann.

Mitte der 60er Jahre beendete Olivia de Havilland ihre Filmkarriere, trat nur mehr vereinzelt im Fernsehen auf, widmete sich vermehrt ihren Hobbys Ballonfahren, Sportfliegen und Hochseefischen. 2008 wurde sie von George W. Bush mit der National Medal for the Arts geehrt, zum 100. Geburtstag erhob sie Queen Elizabeth II. zur Dame. Deren Mutter, selbst 102 Jahre alt geworden, war übrigens de Havillands Vorbild: "Ich wollte immer so alt werden wie Queen Mum." Der Wunsch ist ihr erfüllt worden. "Für mich war jeder Geburtstag wie ein Sieg."