18 Filme rittern von 2. bis zum 12. September um den Goldenen Löwen der 77. Filmfestspiele von Venedig. Österreich ist in diesem Reigen mit der Koproduktion "Quo Vadis, Aida?" der bosnischen Regisseurin Jasmila Zbanic und der Schauspielerin Edita Malovcic präsent. Die Zahl der Filme, die beim Festivals gezeigt werden, wurden wegen der Coronakrise von circa 80 auf 62 reduziert.

19 Filme, darunter elf Dokumentarfilme, werden außerhalb des Wettbewerbs gezeigt. Weitere 19 Filme sind Teil der Orizzonti-Sektion, in der Arbeiten gezeigt werden, die neue Tendenzen des Weltkinos präsentieren, berichtete Festivaldirektor Alberto Barbera bei der Präsentation des Programms am Dienstag. Wegen der Coronavirus-Epidemie wurde die Liste der Filme nicht wie in den vergangenen Jahren bei einer Pressekonferenz in Rom, sondern per Streaming in Venedig vorgestellt.

Schnee, Haifa und Genossen

Wegen der Coronavirus-Krise muss Venedig auf ein Festival mit Stars und Glamour verzichten. Der Film "Lacci" des italienischen Regisseurs Daniele Luchetti wird das Filmfestival eröffnen. Der Streifen mit den Schauspielern Alba Rohrwacher, Luigi Lo Cascio und Laura Morante in den Hauptrollen wird außerhalb des Wettbewerbs am 2. September gezeigt. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des italienischen Schriftstellers Domenico Starnone.

Der russische Regisseur Andrei Kontschalowski zeigt seinen letzten Film "Dorogie Tovarischi" (Liebe Genossen) über die Sowjetunion in der Ära des Staats- und Parteichefs Leonid Breschnew. Die polnische Regisseurin Malgorzata Szumowska geht mit Michał Englert ins Rennen mit dem Film "Sniegu Juz Nigdy nie Bedzie" (Der Schnee wird nicht mehr fallen). Der israelische Filmregisseur und Drehbuchautor Amos Gitai präsentiert den Film "Laila in Haifa". Die deutsche Regisseurin Julia von Heinz geht mit ihrem Film "Und morgen die ganze Welt" ins Rennen um den Goldenen Löwen.

Italienische Filmindustrie präsent

Der italienische Regisseur Gianfranco Rosi, 2016 erster Doku-Gewinner des Goldenen Bären in Berlin mit "Seefeuer" über das Flüchtlingsdrama auf Lampedusa, widmet sich in seinem neuen Dokumentarfilm dem Krieg in Syrien. "Notturno" heißt Rosis Dokumentarfilm, eine Koproduktion aus Italien, Frankreich und Deutschland, der in der Hauptschiene im Wettbewerb ist.

Die italienische Filmindustrie ist bei der diesjährigen Festivalausgabe stark präsent. Gleich vier Filme schickt Italien ins Rennen um den Goldenen Löwen - neben Rosis Dokumentarfilm auch "Le sorelle Macaluso" (Die Macaluso-Schwestern) der sizilianischen Opern- und Theaterregisseurin Emma Dante. Der Film basiert auf ein Theaterstück der Regisseurin, das um die Themen Familie und Gewalt in familiären Beziehungen kreist.

"Quo vadis, Aida?" aus Österreich

Der italienische Regisseur Luca Guadagnino, der unter anderem den Romy-Schneider-Klassiker "Der Swimmingpool" neu interpretiert hat, zeigt außerhalb des Wettbewerbs den Film "The Shoemaker of Dreams" über das Leben Salvatore Ferragamos (1898-1960), der vom Migranten zu einem der weltweit renommiertesten Schuhproduzenten aufrückte, zu dessen Kunden Hollywood-Stars und Könige zählten. Der schwedischen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg ist das Biopic "Greta" des Regisseurs Nathan Grosmann gewidmet. Mit dem italienischen Chanconnier Paolo Conte befasst sich der Dokumentarfilm des Italieners Giorgio Verdelli mit dem Titel "Paolo Conte, via con me".

Mit dem Film "Quo Vadis, Aida?" ist bei den 77. Filmfestspielen von Venedig eine österreichische Koproduktion für den Goldenen Löwen nominiert. "Ich freue mich, dass es nach der Jury-Teilnahme von Veronika Franz jetzt auch einen österreichischen Beitrag zum Wettbewerb in Venedig gibt und gratuliere allen Beteiligten herzlich", sagt Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer am Dienstag. "Vor allem aber freue ich mich, dass die Filmfestspiele von Venedig ein starkes Zeichen des Neustarts im internationalen Filmgeschehen setzen."

Arbeit trotz Schwierigkeiten

Österreich ist in mehrfacher Weise an der Produktion "Quo Vadis, Aida?" beteiligt. Neben Schauspielerin Edita Malovcic, Kamerafrau Christine A. Maier, Ausstatter Hannes Salat und der österreichischen Produktionsfirma coop 99 waren unter anderem das Österreichische Filminstitut und der ORF als Fördergeber involviert.

Den Gewinner des Festivals wird eine internationale Jury unter der Leitung der australischen Schauspielerin und Filmproduzenten Cate Blanchett bestimmen, zu der auch die österreichische Regisseurin und Drehbuchautorin Veronika Franz ("Hundstage", "Ich seh Ich seh") gehört. Ebenfalls in der Jury ist der deutsche Regisseur Christian Petzold.

"Wir sind stolz über die Arbeit, die wir in dieser schwierigen Situation geleistet haben", sagte der Präsident der Biennale, Roberto Cicutto. Das Festival werde trotz der Coronavirus-Epidemie nicht online, sondern mit Zuschauern bei Einhaltung von Abstandsregeln stattfinden.

Almodovar zeigt neuen Film

Außerhalb des Wettbewerbs wird außerdem der neue Film des Starregisseurs Pedro Almodovar gezeigt, der auf Jean Cocteaus Theaterstück "La voix humaine" basiert. Die Hauptrolle übernimmt die britische Schauspielerin Tilda Swinton.

Gezeigt wird auch der Hollywood-Film "One Night in Miami" über das Leben der Box-Legende Muhammad Ali der Oscarpreisträgerin Regina King, teilten die Organisatoren des Festivals mit. Es handelt sich um zwei zusätzliche Filme, die nicht im offiziellen Programm vergangene Woche vorgestellt worden waren.

"Ich bin begeistert, wieder in Venedig in diesem außerordentlichem Jahr sein zu dürfen. Alles wird heuer anders sein. Es ist eine Ehre für mich an der Seite Tilda Swintons zu stehen, die mit Verdienst in Venedig den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerke erhält", kommentierte Almodovar. (apa)